Genuss, Reise

Diese sächsischen Winzer sollte man kennen

In und um Dresden bauen experimentierfreudige Winzer ausdrucksstarke Weine an. Manche der Weinbauern sind Autodidakten, manche feinsinnige Romantiker, andere kreative Einzelgänger. Ihre Weingüter liegen in malerischen Orten an der Elbe.

Von den steilen Weinhängen in Radebeul reicht der Blick weit über das Elbtal. Barockschlösschen und rebenumrankte Fachwerkhäuschen schmiegen sich lieblich in die Landschaft. In der Villenstadt mit ihrem vergleichsweise milden Klima fühlt sich Sachsen manchmal wie Südeuropa an. Es gibt eine Paradies- und Nizzastraße und schon früher wurde der malerische Ort „Sächsisches Nizza“ genannt. Zum Teil jahrhundertealte Trockenmauern speichern die Wärme in den Weinbergen, die durch ihre Hanglage viel Sonne abbekommen. Und ermöglichen in dieser recht nördlichen Region Deutschlands den Weinanbau. Dieser erstreckt sich von Pillnitz elbabwärts über Radebeul und Meißen bis Diesbar-Seußlitz auf 45 Kilometern Länge.

Sachsen ist mit nur 500 Hektar bewirtschafteter Fläche eines der kleinsten deutschen Anbaugebiete. Doch bereits im Mittelalter wurden in der Region Trauben gekeltert. Die erste Weinbauschule Europas eröffnete 1811 in Meißen. Im 17. Jahrhundert umfasste das Weinanbaugebiet 6000 Hektar. Durch Kriege und Schädlingsbefall schrumpfte es bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts auf 70 Hektar.

Radebeul: Jahrhundertealte Trockenmauern speichern die Wärme in den Weinbergen.
Radebeul: Jahrhundertealte Trockenmauern speichern die Wärme in den Weinbergen.

Kostspielige Ernte, geringe Erträge

Während es in der DDR nur staatlichen Weinbau gab, machen heute neben bekannten Größen wie dem Staatsweingut Schloss Wackerbarth vor allem einige unkonventionelle Winzer von sich reden. Sie experimentieren mit Rebsorten, ökologischem Anbau, pflegen verlassene Hänge und arbeiten daran, den Ruf Sachsens als Weinregion aufzubauen. Anders als in traditionellen Weingegenden wie Mosel oder Pfalz mit ihren alteingesessenen Winzerfamilien werden die meisten der zwei Dutzend Weingüter in Sachsen noch in der ersten Generation nach der Wende geführt. Zurücklehnen kann sich wegen der hohen Anfangsinvestitionen kaum einer.

Die Reben wachsen auf verwittertem Granit oder Sandstein und vorwiegend auf Terrassen an Steillagen. Sie müssen kostspielig per Hand gepflegt und geerntet werden. Auch lässt das schwierige Klima (wenig Niederschlag, Spätfröste, kalte Winter) geringere Erträge als in Süddeutschland zu. Sächsischer Wein ist daher eine Rarität und macht gerade einmal 0,3 Prozent der Weinerzeugung hierzulande aus. Weiße Burgunder und insbesondere Traminer von der Elbe zählen zu den teuersten deutschen Weinen.

In einem alten rebenbewachsenen Winzerhäuschen befindet sich das Weingut Drei Herren in Radebeul.
In einem alten rebenbewachsenen Winzerhäuschen befindet sich das Weingut Drei Herren in Radebeul.

Das sagt Sommelier Silvio Nietzsche zum sächsischen Wein

Wer wissen will, was das Besondere der sächsischen Weine ausmacht, fragt den bekannten Dresdner Sommelier Silvio Nitzsche von der Weinkulturbar in Dresden, die 2900 Weine auf der Karte hat – davon 300 aus der Region. „Sächsische Weine sind Weine auf den zweiten Schluck, sie wollen entdeckt werden“, sagt er. Aufgrund der Bodensituation und des Klimas (hohe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht in der Wachstumsperiode) seien sie leicht, frisch, filigran und entsprächen dem, was Weinkenner gerade an sogenannten Cool-Climate-Weinen schätzen, die in Regionen mit harten, eisigen Wintern und trockenen Sommern mit vielen Sonnenstunden gedeihen. Diese Weine sind nicht so wuchtig und alkohollastig wie jene aus warmen Gegenden.

„Hier entstehen lebendige, säurebetonte Rieslinge mit angenehmer Trinkfrische, die aber auch gut altern können.“ Nitzsche ist zudem überzeugt vom Potenzial Sachsens als Rotweingegend, was nicht jeder sofort vermuten würde: „Manchen Winzern gelingen kühle, klare, mineralische und puristische Spätburgunder, die eine eigene Interpretation großer französischer Burgunder sind.“ Dabei meint er vor allem die Spätburgunder des Radebeuler Winzers Karl Friedrich Aust, der eines der schönsten historischen Weingüter in Radebeul bewirtschaftet.

Die historische Weingutsanlage aus dem 17. Jahrhundert beherbergt heute das Weingut von Karl Friedrich Aust in Radebeul bei Dresden.
Die historische Weingutsanlage aus dem 17. Jahrhundert beherbergt heute das Weingut von Karl Friedrich Aust in Radebeul bei Dresden.

Weingut Karl Friedrich Aust

Karl Friedrich Aust ist gelernter Steinmetz und entstammt einer sächsischen Hobbywinzerfamilie. „Meine erste Terrasse, die ich bereits als kleiner Junge bewirtschaften konnte, besaß 73 Rebstöcke der Sorte Müller-Thurgau“, erzählt der Autodidakt. 2002 machte er die private Leidenschaft zum Beruf und gründete sein Weingut. Die historische Gutsanlage aus dem 17. Jahrhundert renovierte er aufwändig. Mittlerweile gehören ein Restaurant und ein Hofladen dazu. „Wir wollen ein Gesamterlebnis bieten“, sagt der Winzer, der Hoffeste veranstaltet und im Sommer Wanderer in seinem großen lauschigen Garten mit Zwiebelkuchen und Rosé begrüßt.

Hat sich seine kindliche Begeisterung für sächsische Reben bewahrt: der Winzer Karl Friedrich Aust.
Hat sich seine kindliche Begeisterung für sächsische Reben bewahrt: der Winzer Karl Friedrich Aust.

Die Glücksgöttin Fortuna ziert das Haus als Wetterfahne und heute auch das Etikett der Flaschen. Das Gut umfasst über sechs Hektar Rebflächen in den besten Lagen Radebeuls, in die Aust schon viel Geld und Arbeit gesteckt hat. „Das ist meine Heimat. 30 Prozent dessen, was wir Winzer hier tun, ist Regionalförderung, das ist Erhalt der Kulturlandschaft.“ Direkt hinter dem Weingut kann man durch die Rebflächen der sächsischen Spitzenlage Radebeuler Goldener Wagen spazieren. Mitten in den Weinberg hat sich Aust eine kleine Laube gebaut, in die er sich manchmal mit einem Glas Wein zurückzieht. Im unteren Teil wachsen die Trauben in Flachlage, dahinter beginnen die Steilterrassen mit markanten Trockenmauern.

Weißburgunder, Goldriesling, Genussmensch: Weine von Winzer Karl Friedrich Aust.
Weißburgunder, Goldriesling, Genussmensch: Weine von Winzer Karl Friedrich Aust.

Aust baut zum Beispiel Goldriesling an, was nicht nur schön klingt, sondern auch eine sächsische Weißweinrarität ist. Ein heller, gelb leuchtender, leicht würziger Wein mit kräftiger Säure. Viele Kenner reisen aber auch wegen des Austschen Spätburgunders an. Er ist weich, hat ein dezentes Holzaroma und einen vergleichsweise geringen Alkoholgehalt. Der Winzer baut nur eine Sorte Rotwein an und lässt ihn in französischen Weinfässern reifen.

Weingut Martin Schwarz

Schwarz ist einer von etwa 40 Haupterwerbswinzern, die es in Sachsen gibt und über Umwege zum Wein gekommen. Interessanter als das Elektrotechnikstudium fand der Hesse nämlich Rotweine. Nach dem abgebrochenen ersten Studium wurde er Weinbauingenieur an der Fachhochschule für Weinbau in Geisenheim und machte dann ein Praktikum beim Weingut Dr. Heger in Baden-Württemberg. 1996 kam der gebürtige Kasselaner nach Meißen, wo er mit dem Prinzen Georg zur Lippe das Weingut Schloss Proschwitz aufbaute.

Weinberg mit Blick auf Schloss und Kirche von Meißen
Weinberg mit Blick auf Schloss und Kirche von Meißen.

Vor 15 Jahren begann Schwarz Weinberge selbst zu bewirtschaften und zählt heute zu den besten Winzern der Region. Überregional und in der Spitzengastronomie bekannt ist er für seine Cuvées. 14 verschiedene Weinsorten baut er auf zweieinhalb Hektar an. Das dürfte in Deutschland einmalig sein. Von Milliardär Karl-Erivan Haub von der Unternehmensgruppe Tengelmann hat er den Weinberg am Berghaus Neufriedstein in Radebeul gepachtet. Dort hat Schwarz als Experiment auch Nebbiolo angepflanzt, eine Rebsorte, die höchste Ansprüche an Standort und Klima stellt. Im Piemont steht sie für Rotweine von Weltklasse.

Nebbiolo-Pflanzen warten bei Winzer Martin Schwarz in Meißen auf ihre Pflanzung im benachbarten Weinberg.
Nebbiolo-Pflanzen warten bei Winzer Martin Schwarz in Meißen auf ihre Pflanzung im benachbarten Weinberg.

Weingut Klaus Zimmerling

Im Dresdner Stadtteil Pillnitz hat sich der Autodidakt Klaus Zimmerling am östlichsten Zipfel des Anbaugebiets den Ruf erarbeitet, den besten Riesling zu machen. Zimmerling verdiente seinen Lebensunterhalt als Maschinenbauer, bis er 1992 am „Königlichen Weinberg“ Reben mit perfekter Südlage erwarb. Früher gehörte der Weinhang zum nahe gelegenen Schloss Pillnitz, einst Lustschloss und Sommerresidenz des sächsischen Königshauses. Von dort reicht der Blick bis in die Sächsische Schweiz. „Unsere Rieslingreben sitzen hier wie im Amphitheater“, sagt der gebürtige Leipziger. Bei ihm gedeihen auch Grau- und Weißburgunder, Kerner, Gewürztraminer und Traminer auf dem verwitterten Granitboden – ohne Herbizide und synthetische Pestizide.

Zu DDR-Zeiten mangelte es an spannenden Weinen, deswegen wollte er selbst versuchen, ob es auch anders geht. „Ich bin sehr experimentierfreudig. Zehn verschiedene Weißweinrebsorten bauen wir hier auf vier Hektar an“, sagt Zimmerling und fügt an: „Das ist eigentlich völlig verrückt, macht aber Spaß.“ Vor Kurzem hat er einen Versuchshang mit Rotem Riesling angelegt, einer alten einheimischen Rebsorte, die nur wenige Winzer in Hessen und Sachsen wiederentdeckt haben.

Kreativer Perfektionist: Winzer Klaus Zimmerling im Königlichen Weinberg in Pillnitz.
Kreativer Perfektionist: Winzer Klaus Zimmerling im Königlichen Weinberg in Pillnitz.

Seine Trauben lässt Zimmerling meist länger stehen als andere Winzer, manchmal bis in den November hinein. Es brauche Geduld und Risikobereitschaft, um charaktervolle und unverwechselbare Weine zu machen. Die extremen Bedingungen bei Anbau und Klima seien für Winzer in Sachsen Herausforderung und Chance zugleich, sagt Zimmerling, der keinerlei Weinlehrbücher gelesen hat. Die Erträge aus dem Weinberg sind verglichen mit anderen Weingegenden Deutschlands gering. Gerade mal 30 000 Flaschen pro Jahr produziert der Winzer und diese sind schnell vor Ort vergriffen. „Wer einfach Geld verdienen will, macht etwas anderes“, sagt er. Außer bei Kennern sind seine Weine – wie auch die vieler seiner Winzerkollegen – außerhalb Sachsens so gut wie unbekannt, da sie nur selten die Region verlassen. Ganz anders die lebensgroßen Skulpturen seiner Frau, der Künstlerin Malgorzata Chodakowska: die Bronzefiguren verkaufen sich mittlerweile bis nach China. Sie zieren zudem die Etiketten jedes Jahrgangs und das Weingut, das sich mit seinem großen Sandsteintor an den pyramidenförmigen Weinberg schmiegt.

Skulpturen der Künstlerin Malgorzata Chodakowska zieren das Weingut von Klaus Zimmerling.
Skulpturen der Künstlerin Malgorzata Chodakowska zieren das Weingut von Klaus Zimmerling.

Die Lust an kunstvoller Gestaltung, die Zimmerling und seine Frau verbindet, merkt man der verspielten Opulenz des Gutes an. An warmen Tagen umgibt den Ort ein mediterranes Flair. In den Sommermonaten können sich Besucher mit einem Glas Wein in die elegante Pergola am Rande der Reben setzen und Käse oder andere kleine Leckereien verspeisen. Derzeit entsteht neben dem eigentlichen Weinkeller und Verkaufsgebäude eine große Vinothek für Weinproben.

Weine und Snacks zum Probieren auf dem Weingut Klaus Zimmerling in Pillnitz.
Weine und Snacks zum Probieren auf dem Weingut Klaus Zimmerling in Pillnitz.

Zu den Weingütern

  • Weingut Klaus Zimmerling, Bergweg 27, 01326 Dresden. Weinverkauf Dienstag bis Samstag  11 – 16 Uhr. www.weingut-zimmerling.de
  • Weingut Karl Friedrich Aust, Weinbergstrasse 10, 01445 Radebeul. Gutsladen Montag bis Sonntag 11 – 18 Uhr. www.weingut-aust.de
  • Weinmanufaktur Mariaberg Martin Schwarz, Dresdner Straße 71, 01662 Meissen. Freitags und samstags 12 – 18 Uhr. www.schwarz-wein.de
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Genuss

Meister der Keulen: Schinken schneiden als Kunst

In Spanien ist sein Beruf hoch angesehen, in Deutschland jedoch nur Kennern ein Begriff: Torsten Habermann arbeitet als Cortador de Jamon. Er beherrscht den kunstvollen Schnitt von teuren Schinken.

Schinkenschneider genießen in Spanien eine ähnliche Wertschätzung wie Sterneköche. Sie werden Cortadores de Jamon genannt und sind eine Attraktion auf Hochzeiten und Familienfeiern. Es gibt sogar Meisterschaften, bei denen die Finalisten in vorgeschriebener Zeit eine bestimmte Menge Schinken hauchfein schneiden und kunstvoll auf einem Teller arrangieren müssen. Die Superstars der Szene treten vor berühmten Sängern und Schauspielern auf und verlangen pro geschnittener Keule bis zu 3500 Euro.

Zerteilt wird der Jamon schon seit langer Zeit, allerdings hat sich der Schnitt als Kunstform erst innerhalb der letzten 15 Jahre herausgebildet, erzählt der Berliner Torsten Habermann. Er kennt sich mit dem spanischen Handwerk aus, denn er hat 2012 als erster Deutscher an der Handelskammer in Madrid eine Ausbildung zum Cortador de Jamon gemacht. Als solcher kann er einen gereiften Schweineschinken nicht nur kunstvoll, sondern auch mit der maximalen Ausbeute schneiden. So bleibt kaum Fleisch am Knochen zurück, was angesichts des Preises für Topschinken auch wichtig ist. Ein ausgebildeter Schinkenschneider ist Kenner der einzelnen Schweinerassen und Herkunftsgebiete – mit guten Kontakten zu den Produzenten.

Eine Scheibe vom iberische Eichelschinken Jamón ibérico de bellota.
Eine Scheibe vom iberische Eichelschinken Jamón ibérico de bellota.

Schinken schneiden als Meditation

„Schinken schneiden hat etwas Meditatives, aber zugleich ist es auch eine Kunst! Ich sehe den Schinken als eine Art Skulptur an“, sagt Habermann. Er achtet darauf, dass die Keule, für die es eine spezielle Halterung benötigt, horizontal gerade und in gleichmäßige Scheiben geschnitten wird. Deren Größe hängt dabei von der Stelle ab, von der die filigranen Scheiben geschnitten werden. In der Mitte können diese fünf Zentimeter in der Länge und drei Zentimeter in der Breite messen. Ein „Bogen“ im Fleisch, der immer tiefer wird, sei „ein absolutes No-Go“.

Es braucht mehrere Jahre und viel Praxis, bis man die Technik beherrscht, vergleichbar mit einem japanischen Sushi-Meister. „Man muss viele Schinken schneiden, bevor man ein echter Cortador ist“, sagt der 46-Jährige, der zehn Jahre in Madrid gelebt hat. Seine bisher größte Herausforderung: Für den spanischen Botschafter in Berlin und seine 800 Gäste schnitt er am spanischen Nationalfeiertag fünf Schinken hintereinander. Eine echte Knochenarbeit!

Die Schinkenkeule als Skulptur: Horizontal wird das Fleisch bis zum Knochen heruntergeschnitten.
Die Schinkenkeule als Skulptur: Horizontal wird das Fleisch bis zum Knochen heruntergeschnitten.

Wer Habermann über die Schulter schaut, ist erstaunt, mit wie vielen verschiedenen Messern er hantiert. Mit dem Chefmesser entfernt er die dicke, harte Schwarte, die den Schinken luftdicht umgibt und vor Ungeziefer und Pilzbefall schützt. Der Entbeiner nützt ihm um das Fleisch vom Knochen zu lösen, und mit dem biegsamen Jamon-Messer kommt er gut an schwierige Stellen. Eine Pinzette dient dazu, die Stücke aufzugreifen und dekorativ so auf dem Teller zu platzieren, dass die Maserung ein Muster ergibt. Eine Aufschnittmaschine ist tabu und würde die feine Textur zerstören. Was Habermann in seinen Kursen lehrt: Immer die Hand vom Messer weghalten. Jedes Jahr schneiden sich tatsächlich zehntausende Spanier beim laienhaften Zerteilen des Schinkens.

Dekorativ aufgeschnittener Ibérico-Schinken sollte ein Muster ergeben.
Dekorativ aufgeschnittener Ibérico-Schinken sollte ein Muster ergeben. Foto: Torsten Habermann

Das macht den Iberischen Eichelschinken so besonders

Cortadores de Jamon kennen zwar alle spanischen Schinkensorten, beschäftigen sich aber am liebsten mit den höchsten Qualitätsstufen des Ibérico-Schinkens. Dieser wird von Ibérico-Schweinen gewonnen, den einheimischen Schweinerassen, die im spanischen Südwesten der Iberischen Halbinsel aufgezogen werden. Die Tiere sind meist schwarz, es gibt aber auch helle Arten, wie zum Beispiel die Unterart „Rubia“. Als eine der teuersten Rassen gelte momentan das „Manchado de Jabúgo“, sagt Spanien-Kenner Habermann, der seinen Landsleuten auch durch Vorträge die spanische Schinkenkultur näherbringt.

Wer schon einmal sortenreinen Ibérico-Schinken probiert hat, kennt den buttrig-nussigen Geschmack und die seidige Textur. Das Fleisch ist muskulös und von feinen Fettadern durchzogen. Aroma und Maserung entstehen durch die besondere Aufzucht der Schweine und die lange Reifezeit von mindestens 20 bis gelegentlich über 48 Monaten. Die reinrassigen Tiere werden in der Zeit von November bis März in Eichenwälder geführt, wo sie an manchen Tagen mehr als zehn Kilometer herumlaufen – auf der Suche nach Futter. Sie fressen täglich fast zwölf Kilogramm frische, teilweise süßliche Eicheln und vier Kilogramm Gräser und werden so von 90 auf 160 Kilogramm gemästet. Diese luxuriöse Mast erklärt auch den hohen Preis.

Hunderte Euro für einen Hinterlauf

Einen Serranoschinken, der von normalen Hausschweinen, in der Regel Duróc, mit profaner Getreidemischernährung gewonnen wird, kann man bereits für 40 Euro kaufen. Für einen Ibérico-Schinken mit Eichelmast und langer Reifung muss man jedoch mehrere hundert Euro bezahlen. In Spanien schenkt man sich die Keulen daher gerne zu Weihnachten oder lässt sie auf Hochzeiten als kulinarischen Hingucker aufschneiden, wie Torsten Habermann erzählt, der auch ausgebildeter Sommelier ist. Zum salzigen Umami-Geschmack des Schinkens empfiehlt er weiße und trockene Weine, zum Beispiel einen Fino oder Manzanilla Sherry oder einen trockenen Cava.

Buttrig-nussiger Geschmack und feine Fettmaserung kennzeichnen den sortenreinen Ibérico-Schinken.
Der buttrig-nussige Geschmack und die feine Fettmaserung kennzeichnen den sortenreinen Ibérico-Schinken.

Das sind die Klassifikationen des Ibérico-Schinkens

Um Betrug vorzubeugen, wurden die einzelnen Klassifikationen der Ibérico-Schinken mit verschiedenen Farben gekennzeichnet. Diese heben die Art der Aufzucht und Rasse der Schweine hervor.

  • Weiß: zu 50, 75 oder 100 Prozent Ibérisches Schwein mit normaler Getreidefütterung. (Jamon de cebo)
  • Grün: 50 bis 100 Prozent Ibérisches Schwein, das freien Auslauf hat und sich von Gräsern und Getreide ernährt. (Jamon de cebo de campo)
  • Rot: 50 bis 75 Prozent genetische Abstammung vom Ibérico-Schwein, und 25 bis 50 Prozent Abstammung vom Duróc-Schwein. Diese Tiere haben eine volle Eichelmast durchlaufen. (Jamon de bellota)
  • Schwarz: 100 Prozent Iberische Rasse mit Eichelmast. Diese Schinken sind in der Regel die Teuersten. (Jamon ibérico de bellota)

Was alle Schinken gemein haben: Die Keulen werden nach der Schlachtung mit echtem Meersalz eingerieben.

Cortador de Jamon Torsten Habermann erklärt das Schinkenschneiden.
Cortador de Jamon Torsten Habermann erklärt Autorin Claudia Scholz das Schinkenschneiden.

Übrigens: Den einzigen spanischen Cortador de Jamon, der in einem deutschen Supermarkt vor Publikum schneidet, können Gourmets im Düsseldorfer Feinkost-Kaufhaus Zurheide antreffen. Der gebürtige Katalane Aithor Ruiz praktiziert das Schinkenschneiden bereits seit seinem 16. Lebensjahr. Die Kunstwerke des „Maestro Jamónero“ kann man direkt an der hauseigenen Tapasbar mit einem Glas Cava probieren oder für den Verzehr zu Hause mitnehmen.

Der spanische Cortador de Jamon Aithor Ruiz beim Schinkenschneiden im Düsseldorfer Feinkostkaufhaus Zurheide.
Der spanische Cortador de Jamon Aithor Ruiz beim Schinkenschneiden im Düsseldorfer Feinkostkaufhaus Zurheide.
Die Werke von Schinkenschneider Aithor Ruiz gibt es auch zum Mitnehmen.
Die Werke von Schinkenschneider Aithor Ruiz gibt es auch zum Mitnehmen.
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Genuss, Stil

So werden Sie zu einem guten Gastgeber

Goethe beherrschte die Kunst der Gastfreundschaft, die Preußenkönige waren dagegen miserable Gastgeber. Um Gäste bei Laune zu halten, braucht es mehr als nur Delikatessen. Überraschungen sind genauso wichtig wie ein bisschen Rausch, erzählt der Gastronomiekritiker Erwin Seitz.

Herr Seitz, die Preußenkönige galten als sparsam. Keine gute Voraussetzung, um ein guter Gastgeber zu sein, oder?
Ja. Es fing damit an, dass der geizige Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. den Berliner Hof abschaffte und damit das Ende der Gastlichkeit in Preußen einläutete. Jede Form von höfischem Luxus war verpönt, das Geld wurde dagegen für die Aufrüstung der Armee ausgegeben. Hofbäcker und -köche, Musiker, sämtliche Juweliere wurden entlassen, das Kunsthandwerk in Berlin ging pleite. Auch bei seinem Sohn Friedrich dem Großen blieb der Hof abgeschafft. In Schloss Sansoucis hielt er zwar große Diners ab, doch es waren reine Männerrunden.

Wilhelm II., der letzte Preußenkönig, hat zwar mehr für Essen und Trinken ausgegeben, aber alle Festdiners folgten einer strengen, militärisch anmutenden Ordnung. Keiner am Hofe konnte das Essen wirklich genießen, weil in einer Stunde sieben Gänge zu bewältigen waren. Wenn man neben dem Kaiser saß und ihn unterhalten musste, kam man gar nicht zum Essen. Preußisches Zack-Zack, Funktionalität, Fitness stand über allem. Hauptsache die äußeren Formen von Luxus waren zu sehen, das genügte dem Kaiser. Letztendlich hatte er keinen Sinn für Genuss. Alfred Walderspiel, der berühmteste deutsche Koch der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, schrieb in seinen Memoiren über die Tafelsitten des Kaisers: „Die Schnellesserei war eine Barbarei…“

Das Porträt Friedrichs des Großen von Andy Warhol aus dem Besitz von Günther Jauch im Salon "Alter Fritz" der Villa Kellermann in Potsdam.
Das Porträt Friedrichs des Großen von Andy Warhol aus dem Besitz von Günther Jauch im Salon „Alter Fritz“ der Villa Kellermann in Potsdam.

Goethe aß mit Herzenslust

Was machte Johann Wolfgang von Goethe zu einem guten Gastgeber?
Am herzoglichen Hof in Weimar wurden die Gäste noch nach ihrem höfischen Rang gesetzt. Goethe hat die Menschen dagegen so platziert, dass sie sich gut unterhalten konnten. Er lud sogar manchmal Hungerleider ein, zum Beispiel einen armen Runenforscher, den er originell fand. Der schlürfte einen Teller mit Gurken ganz ungeniert am Tisch aus. Jeder Gast mit seinen Eigenheiten war willkommen. Man musste keinen hohen Rang haben, sondern auf irgendeine Weise unterhaltsam sein. Goethe führt zudem den Service à la russe ein, was wir heute als à la Carte kennen. Die Schüsseln mit Fleisch und Gemüse wurden nicht mehr wie beim französischen Service in die Mitte gestellt, sondern Kellner brachten die einzelnen Gänge zum Gast. Zur Deko stellte er Blumenvasen mit seltenen Gewächsen auf den Tisch, um für zwanglose Gespräche zu sorgen. Das war bis dahin völlig unüblich.

Ein Früchtestillleben mit Wildbret aus dem 17. Jahrhundert.
Ein Früchtestillleben mit Wildbret aus dem 17. Jahrhundert.

Auch was das Essen angeht, war Goethe ein moderner Gastgeber. Da er einen eigenen Garten hatte, gab es schon viel Salat und Gemüse. Der Hofkoch brachte ihm russischen Kaviar, Straßburger Pastete mit Gänsestopfleber und Trüffel oder frische Austern aus England mit. Goethe war mit dem Feinsten versorgt, was die europäische Küche bot und er gönnte es auch seinen Gästen. Er war ein Lebemann, neugierig und genießend. Seine Maxime war: Wer sich immer fest im Griff hat, dem droht das Leben verloren zugehen. Gäste berichten, dass Goethe oft nach Herzenslust aus den Schüsseln nachfasste und gern einen tüchtigen Schluck aus der Pulle nahm.

Wer ist der perfekte Gast: Hillary Clinton, Elton John oder Rihanna?
Wer ist Rihanna? Ich würde Elton John, also einen Engländer, wählen. Er wirkt auf mich wie ein Gentleman. Hillary Clinton ist eine geschäftige Amerikanerin, ich wüsste nicht, ob sie entspannt sein könnte an einem festlichen Abend unter Freunden. Die Briten vereinen ja eine perfekte Mischung aus bürgerlicher und höfischer Kultur in sich, die typisch für Europa ist. Die Feinheit im Umgang haben sie über Jahrhunderte trainiert. Die Amerikaner sind an sich freundlich, aber etwas formel- und floskelnhaft, abgesehen von ein paar elitären Familien fehlt es in der Breite an Finesse.

Gedeckter Tisch für ein Galadinner auf der Brafa in Brüssel.
Gedeckter Tisch für ein Galadinner auf der Brafa in Brüssel.

So gelingt eine gute Sitzordnung

Wie gelingt eine sinnvolle Sitzordnung? Wie viele Personen?
Ideal ist es, wenn die Geschlechter gemischt sind: Eine Dame, ein Herr, eine Dame, ein Herr. Das hat etwas Elegantes und Charmantes. Man benimmt sich anders, wenn Frauen und Männer am Tisch sitzen, man ist netter und freundlicher zueinander. Wenn man Glück hat, sind die Herren charmant und galant und die Damen liebreizend. Das war schon das perfekte Rezept im Rokoko. Perfekt sind sechs Personen. Eine Besetzung mit vier Personen wirkt fast schon zu intim, bei einer Runde mit acht Gästen bricht die Gruppe leicht in zwei Blöcke auseinander. Bei sechs Personen entsteht im Idealfall ein Gespräch, an dem alle teilnehmen.

Paare auseinander setzen oder zusammen?
Früher umsorgte die Hausfrau den Mann zu Hause, man sah sich jeden Tag. Da machte es Sinn, die Eheleute beim Essen mit Freunden auseinander zu setzen. Heute stehen ja beide Ehepartner im Berufsleben und sind froh, wenn sie einen festlichen Abend gemeinsam verbringen können. Hauptsache, die Leute sitzen so, dass sie vom Temperament her zusammenpassen und Lust am Gespräch haben.

Altes Geschirr und moderne Lampe vor Kamin: Flackerndes Feuer sorgt für eine gemütliche Atmosphäre.
Altes Geschirr und moderne Lampe vor Kamin: Flackerndes Feuer sorgt für eine gemütliche Atmosphäre.

So kann man die Gäste bei Laune halten

Idealfall: Samstag Abend, ein festliches Essen mit Freunden. Wie würden Sie den Tisch decken?
Selbst in Sternelokalen ist es mittlerweile Mode, auf blanken Eichenholztischen zu speisen. Das sieht schön aus, aber am Abend geht nichts über ein glänzendes weißes Damasttuch. Ich würde den Tisch eher etwas karg eindecken, nicht überladen, durchaus mit schönem Porzellan, jedem nur einen Teller, Messer und Gabel und Stoffservietten, die nur einmal umgelegt werden. Kein umständliches Falten, kein Etepetete. Die Tischdekoration sollte locker und einfach sein, damit sich der Abend noch steigern kann.

Wichtig sind niedrige Blumenvasen und Kerzen, damit man jedem gut in die Augen schauen und etwas schäkern kann. Minenspiel ist viel wichtiger als dekorativer Tamtam. Aber wer ein schönes Salzfass, eine Art-Déco-Vase oder wertvolle Tierfiguren aus der Erbschaft besitzt, kann diese auch gerne zeigen. Das flackernde Feuer der Kerzenflamme darf nicht fehlen. Der Mensch sitzt schon seit zwei Millionen Jahren ums Feuer herum, da brauch man nichts Neues zu erfinden. Archaische Urelemente des Gastmahls würde ich heute immer verwenden. Manche haben das Glück, auch noch einen offenen Kamin zu haben.

Und was würden Sie auf den Tisch stellen, um die Gäste bei Laune zu halten?
Ich würde immer Brot, Butter und Olivenöl auf den Tisch stellen, egal was Low-Carb-Fanatiker sagen. Brot ist ein Symbol zehntausendjähriger westlicher Kultur, gemeinsam Brot zu brechen hat Tradition. Man kann ruhig zum besten Bäcker der Stadt gehen und ein ordentliches Weizenbrot mit feiner Kruste kaufen.

Und später am Abend auch Drogen auf den Tisch?
Da würde ich über die klassischen Drogen des Galadinners nicht hinausgehen. Also Alkohol, eine Zigarre am Ende des Abends, Espresso nach dem Essen, dazu ein Praliné. Vom Wein vielleicht später zum Cognac übergehen.

Ein gutes Menu ist wie ein kleines Theaterstück

Wie kann man mit einem Menü Eindruck machen?
Bei der klassischen Dramaturgie eines Essens geht es wie in einem Theaterstück zu. Den Auftakt macht etwas Leichtes, Feines, Helles wie Fisch, dann gibt es eine Steigerung mit dunklem Fleisch, einer dunklen Sauce und Rotwein. Danach folgt Käse als Zwischengang. Der Ausklang und zugleich Höhepunkt ist etwas Süßes.

Eine Delikatesse unter den Fischen: Steinbutt.
Eine Delikatesse unter den Fischen: Steinbutt.

Welche Delikatessen können für Überraschungen sorgen?
Heimische Süßwasserfische wie der feine Flussbarsch, von dem schon der römische Dichter Ausonius schwärmte. Seesaibling und Bachsaibling sind sehr fein. Der Saibling hat übrigens einen der feinsten Kaviar, den es überhaupt gibt. Er sieht golden aus. Ich würde ein Saiblingsfilet im Ofen bei 180 Grad sechs bis acht Minuten garen, darüber in Butter gebräunte Mandeln und als Bekrönung den goldenen Kaviar geben. Auf ein gutes Entrecote (nur von der Färse oder vom Ochsen) würde ich etwas Räuchersalz streuen. Der Mensch war zwei Millionen Jahre ein Spießbrater, das Urtümliche des Fleischbratens im Feuerrauch erzeugt man mit diesem kleinen Trick. Kabeljau würde ich mit Algensalz würzen, das betont den Meergeschmack auf besondere Weise.

Pompös wie Buffet, privilegiert wie Service

Buffet, Schüsseln auf den Tisch oder gesetztes Essen, bei dem serviert wird?
Buffet hat etwas Praktisches, manchmal auch etwas Pompöses an sich. Nichts geht aber über die Tischrunde, bei der Essen und Trinken serviert werden. Service ist eine Form von Schauspiel. Man fühlt sich für Stunden wunderbar privilegiert. Die Sitte, die Schüsseln auf dem Tisch zu stellen, nannte man früher „Service à la française“. Jeder Gast nimmt sich, soviel er will, oder reicht dem Nachbarn die Schüssel, die dieser wünscht. Es herrscht dadurch leicht Unruhe am Tisch und das Essen wird schnell kalt. Das Feinste ist das gesetzte Essen beziehungsweise der Tellerservice, traditionell der „Service à la russe“. Das Essen wird heiß vor den Gast hingestellt; er kann sich gleich dem Verkosten und Verspeisen widmen und sich nach und nach köstlich dabei unterhalten. Zudem kann der Koch bei solchem Service seine Anrichtekunst auf dem Teller zeigen.

Taube, Rosenkohl, Kartoffelgratin: Ein Buffet hat auch etwas Pompöses an sich.
Taube, Rosenkohl, Kartoffelgratin: Ein Buffet hat auch etwas Pompöses an sich.

Gibt es Essen, das tabu ist?
Für mich persönlich gibt es keine Tabus. Ich bin neugierig auf alles, was essbar und nicht giftig ist. Man sollte den Gast ruhig mit dem einen oder anderem überraschen. Allerdings wäre ich nicht unbedingt auf Schlangenfleisch erpicht. Das hat in Europa keine Tradition. Der Gastgeber sollte nicht zu Gewagtes servieren, es sei denn, er hat es vorher mit seinen Gästen vereinbart. Der einzelne Gast darf sich keinesfalls durch zu viele Extravaganzen brüskiert fühlen. Und wenn jemand unter den Gästen ist, der sich vor dem Abend schon als Vegetarier zu erkennen gab, dann sollte sich der Gastgeber zu behelfen wissen und Rücksicht darauf nehmen. Wichtig ist, dass sich die Gäste wohlfühlen.

Und was ist mit Knoblauch?
Ich koche sehr gern mit Knoblauch. Auch mit höherem Quantum. Ich verwende aber immer nur ganz rohen Knoblauch, ich schäle ihn, presse ihn durch die Knoblauchpresse, damit die ätherischen Öle richtig entströmen, dann kann man jeden Gast individuell fragen, ob er über sein Gericht ein paar Spritzer möchte. Knoblauch hat einen warmen Ton, er gibt jedem Essen Kraft und Fülle.

Frauenhände mit rotem Hummer
Frauenhände mit rotem Hummer

Selber kochen oder kochen lassen?
Selbst kochen ist natürlich das Feinste. Es wirkt originell und unterstreicht das Moment des Besonderen und Fürsorglichen; aber es spricht nichts dagegen, auch einmal einen Cateringservice mit Koch anzustellen, sofern man sich das leisten kann und selbst keine Zeit oder kein Talent hat, für alles zu sorgen. Bevor man aus bestimmten Gründen ganz auf Gastlichkeit bei sich zu Hause verzichtet, sollte man flexibel sein. Gastlichkeit besteht ja aus mehreren Elementen: Raum und Einrichtung; Service und Gespräch; Essen und Trinken. Für jenen Gastgeber, der für den Abend einen Koch engagiert, bliebe selbst immer noch genügend Spielraum, um sich als guter Gastgeber zu zeigen – indem er sich eben als Charmeur und Connaisseur gibt, die Gäste mit heiterer Mine empfängt, ein glänzender Unterhalter ist und ausgezeichneten Wein einschenkt.

Rausch gehört zur Gastlichkeit dazu

Gehört Rausch zu einem guten Gastmahl dazu?
Bei allen Formen von Gastlichkeit geht es um die Verwandlung von Gastgeber und Gästen. Es ist nicht so leicht, aus dem Alltagstrott herauszukommen, manchmal braucht man ein paar Tricks dazu. Alkohol löst den Geist und die strenge Selbstkontrolle der Fitness- und Businesswelt. Man wird ein bisschen leichtsinniger. Und erzählt interessante, witzige Geschichten, die man unter nüchternen Umständen kaum preisgegeben hätte. Noch unbekannte Gesichtszüge kommen zum Vorschein. Goethe soll getrunken haben „wie ein Alter“, wie die alten Germanen. Er soll aber nie ausfällig geworden sein. Es wird beschrieben, dass er gesprächiger und geistreicher wurde, je mehr er trank. Durch Rausch entsteht eine Art Heiterkeit, die man nüchtern so nicht hinbekommt.

Champagner und Whiskey auf einer Anrichte.
Den Rausch kann man nie ganz in den Griff bekommen: Champagner und Whiskey auf einer Anrichte.

Darf der Gastgeber betrunkener sein als seine Gäste?
Auch der Gastgeber soll selbstverständlich den Wein genießen. Auch er darf und soll im Laufe der Abends lustiger und freimütiger werden. Aber es wäre schon ratsam, dass er seine Grenzen einigermaßen kennt und nicht völlig die Kontrolle über sich verliert. Wenn es irgendwie geht, sollte er selbst Maître de Plaisir bleiben.

Aber wie weit darf der Rausch gehen? (Wie kann man den Rausch kontrollieren?)
Am Ende kann man das nicht ganz in den Griff bekommen. Das ist wie in der Liebe. Es ist immer ein Risiko dabei, auf das man sich einlässt.

Wann ist ein Kellner wirklich gut?
Kellner ist Service und Service hat etwas mit Benehmen zu tun. Es ist vielmehr als Tischdecken und Weineinschenken. Der Kellner begrüßt den Gast zuerst mit einem freundlichen Blick in die Augen. Er ist bester Laune und gibt dem eintretenden Gast das Gefühl, willkommen zu sein. So wie schon der Mönche Benedikt von Nursia in seinen Ordensregeln über die Gastlichkeit schrieb: man solle dem Gast „voll dienstbereiter Liebe entgegeneilen“. Gemeint war natürlich die christliche Liebe.

Kerzenhalter in Penisform.
Kerzenhalter in Penisform.

Darf man mit dem Kellner Sex haben?
Es gibt die schöne Bemerkung von Antonio de Beatis, dem Sekretär des italienischen Kardinals Luigi d´Aragona, der in seinem Reisetagebuch von 1517 über die Kellnerinnen in deutschen Gasthäusern schrieb: „Sie lassen sich zwar nicht küssen, wie die französischen Kammermädchen, wohl aber um den Leib fassen und drücken, oft auch gern zum Mittrinken einladen.“ Im übertragenen Sinne wollte der Sekretär sagen: es war kein steifer Service. Es ist bestimmt nicht die Pflicht des Kellners, auf die Avancen des Gastes einzugehen. Aber zu fortgeschrittener Stunde und unter gegenseitigem Einvernehmen können beide natürlich machen, wozu sie Lust haben.

Die Bedeutung von Licht und guter Stimmung

Beleuchtung: Bei Gästen über 40 Jahren nur Kerzenlicht?
Wenn der Koch großartig aufkocht, dann spielt er auch mit Farben. Bei schummrigen Licht könnte man das gar nicht goutieren. Man muss ja nicht gleich auf die Falten achten, man kann ja auch auf die Brillanten oder auf das schöne seidene Kleid schauen. Nach dem Essen kann man das Licht dimmen und Kerzen anmachen.

Welche Gesprächsthemen funktionieren immer und überall?
Heitere musische Themen wie Goethe sie bevorzugte. Kunst, der letzte Kinobesuch, die letzte Reise oder Lektüre. Der Gastgeber sollte darauf achten, dass sich die Runde nicht in zu ernste Themen (Flüchtlingskrise, Krankheiten, Krieg) verbeißt. Denn todernste Streitereien verderben die Stimmung.

Musik: ja oder nein?
Tafelmusik hat seit Tausenden von Jahren immer dazu gehört. Doch solange man am Tisch sitzt, ist das Essen und Gespräch das höchste, was man wahrnimmt. Es wäre verlorene Liebesmüh, daneben noch gute Musik hören zu wollen. Das wäre Überkonsum. Nach dem Essen kann man ja Musik spielen. Wenn ein Sopran oder Bassist unter den Gästen ist, kann der ein Lied von Schubert singen, oder es steht ein Flügel im Salon und jemand spielt ein Stück darauf. Live ist dann immer noch das Höchste, alles muss echt sein, analog. Das Galadinner ist das Gegenteil von digitaler Welt, Stress, Zwängen. Das ist Freisein von Sorgen, Sanssoucis eben.

Wie sieht ein gutes Gastgeschenk aus?
Klein, dezent und ausgewählt, ein Büchlein, eine CD oder der Dame des Hauses einen Blumenstrauß mitnehmen. Geschirr aus dem Urlaub, eine kleine Keramik, über die man zugleich ein kleines Gespräch beginnen kann. Jedoch kein allzu großes Geschenk, dass den Gasteber dann verpflichtet, beim nächsten Mal auch ein großes Geschenk mitzubringen.

Rot in Rot: Farblich passende Kleidung zur Rosen-Dekoration der Tafel.
Rot in Rot: Farblich passende Kleidung zur Rosen-Dekoration der Tafel.

Warum man sich an den Dresscode halten sollte

Was macht einen guten Dresscode aus und muss ich mich an ihn halten?
Nicht nur ein gutes Essen steigert den Abend, auch glamouröse Kleidung erhöht die Freude an einem festlichen Treffen. Als ich in Oxford studierte, fanden regelmäßig „Black Tie“-Galaessen am College statt. Zurück in Deutschland veranstaltete ich als Student auch Essen für Freunde und wollte, dass sie sich herausputzten. Ich schrieb „Bow Tie“ auf die Einladungskarte, das hieß dann dunkler Anzug und Schleife, die auch bunt sein konnte. Das war ein eleganter, aber nicht zu strenger Dresscode. Man könnte auch schreiben: Das Eleganteste, was ihr euch gerade anziehen möchtet. Man sollte sich auf ein Spiel einlassen. Wenn es heißt „Elegante Abendkleidung“, sollte man sich daran halten, um zu zeigen: man ist bereit zum Spiel. Man kommt nicht nur als Konsument, sondern trägt das seine zum Gelingen des Abends bei.

Schöner Strauß und Oktopus: Das Auge isst mit.
Schöner Strauß und Oktopus: Das Auge isst mit.

Erwin Seitz ist Autor des Buches Kunst der Gastlichkeit22 Anregungen aus der deutschen Geschichte und Gegenwart. Das Interview führte Claudia Scholz.

Standard
Interview, Kunst

Didier Claes: „The time of dusty galleries is definitely over“

Didier Claes is one of the most important dealers of old African art and is known for his eye-catching stagings. In this interview, the Belgian talks about his wealthy clientele, counterfeits, price developments and how important a gallery owner’s public appearance is.

Monsieur Claes, When did you decide to become an art dealer? Already as a child?
Art dealer is usually a passionate profession that you discover for yourself at a very early age. It’s not something that just happens. In my case, it has a family background. My father worked for the National Museum in Congo. I grew up there and accompanied him on his search for artworks that he sold to the museum.

Is it very difficult to find exceptional pieces?
Finding works of art is the most difficult part of my job, because Africa has been empty for 40 years. With exceptions in the field of archaeology, there are hardly any opportunities left to find art objects, at least none of quality. I am not saying it is impossible, but it is like finding a painting in the attic. The small number is not enough to make a business out of it. So I buy a lot from collections, sometimes from the old stocks of families who have brought objects from Africa themselves as part of their jobs.

How much does one have to spend on the most beautiful works?
It depends. Small everyday objects can be had for a few thousand euros. Top works cost several million euros.

Art dealer Didier Claes

What do customers prefer, sculptures or masks?
Some pieces are naturally more successful than others. For example, anything that is reminiscent of modern art like Picasso is successful today. For a Modigliani exhibition in Lille in 2016, I lent a mask to the museum that belonged to Modigliani. If you know that all these artists of that time were inspired by African art, then as a collector of modern art you naturally add a bit of history when you collect such pieces.

The wealthy clientele of Didier Claes

Who are your clients who are willing to spend hundreds of thousands of euros on African art?
The aesthetics of African art are not accessible to everyone. It’s difficult to assess because the clients often don’t have the references like in painting, where there are all these references by epochs and periods. African art requires more knowledge. Definitely more interest and more time to develop expertise. Most of my new clients already have experience with another collecting field, e.g. contemporary art. In addition, they also take a liking to African art. There used to be collectors who exclusively collected African art, almost like stamp collectors. Completely disappeared since 15 years are the German collectors. Bernd Muhlack, Schmidt-Luprian used to be big names, but now many are dead.

Are your clients as young as you are?
Actually, there are more young collectors now. But you also need the financial means to build up a collection and that needs time. For example, some of my younger customers come from the financial world.

Guests at a vernissage by Didier Claes. Photo: Didier Claes Gallery
Guests at a vernissage by Didier Claes. Photo: Didier Claes Gallery

It is mainly men who collect African art. Why is that?
That’s right. And it’s a good question. I can’t explain why either, but I think it’s a pity. However, there are more and more couples where both the man and the woman are interested in it. If both like it, that’s the perfect combination for me as a dealer. Because women and men end up blessing each others purchases. There were pioneering women like Héléna Rubinstein, who were among the biggest collectors of African art in the 1930s to 1950s.

Art buyers are also increasingly coming from Qatar and the Emirates. Do you also have customers from Arab countries?
Muslims are generally not collectors of figurative African art, because their religion forbids any image of God. So it’s already complicated on that level. A counter-example is one of the biggest collectors of African art in the world, Sheikh Saud Al-Thani. Prince Aga Khan is also one of them. These were very strong personalities with high visibility.

The Louvre in Abu Dhabi wants to collect African art like the original Louvre in Paris. Have you also sold to the sheikh?
I personally have not sold anything, but obviously the Emirates have acquired a lot of African art. I want to be frank with you. I’m not very keen on selling to museums. I prefer to sell to collectors, because for me they are like my bank, to whom I sell, and from whom I can also get pieces back, eventually. Because an object that has been sold to a museum is withdrawn from the market forever.

Didier Claes gallery at the Brafa art fair 2019: An eye-catching presentation of African miniature combs.
Didier Claes gallery at the Brafa art fair 2019: An eye-catching presentation of African miniature combs.

The development of the art market

Prices for masterpieces of African art have risen sharply in the last ten years.
The entire art market has developed strongly. African art is finally getting the recognition it deserves.

But will prices like those of modern art ever be achieved in old African art?
Only masterpieces will be able to. But we are still far from the prices of modern art. To give an example: A Picasso or Gauguin costs 200 to 300 million euros. For an absolute masterpiece of African art, 30 million euros are asked. Only good works cost 20 to 30,000 euros. That’s nothing compared to prices for contemporary art, where even young artists attain incredible prices.

Two years ago, you left your gallery at the Sablon and moved to the gallery district of Ixelles. Why?
I’ve been at the Sablon for 15 years and I’m someone who wants to reinvent himself. I think that in today’s business world we have to reinvent ourselves all the time. If we stagnate, then we miss out on a lot, while the world keeps spinning at breakneck speed. The Sablon started to bore me a bit, although it is still the main place in Brussels for old African art.

The traditional art dealer district at the Grand Sablon in the Brussels city centre.
The traditional art dealer district at the Grand Sablon in the Brussels city centre.

Are the Sablon galleries too traditional?
The galleries at Sablon are very traditional, like a kind of old miner, renewal didn’t happen much. And it’s true that by approaching Brussels‘ area for contemporary art, I want to be in the vicinity of the big contemporary art galleries like Reich, Tavi, Weekend. The energy there is different, it’s more dynamic and caters to the contemporary taste.

Modern and contemporary art as a door opener

Your gallery is right next to that of Almine Rech, the wife of one of Picasso’s grandsons.
That was a coincidence. It’s hard to find spaces in that neighbourhood. And at the same time, it wasn’t a coincidence. I saw it and it was a perfect fit.

In your gallery, you combine classical with contemporary African art.
Yes, I often do that. I collaborate with other galleries that present contemporary artists. The combination creates attention. And often people say, „Oh, that goes well together!“ Modern art can also be a door opener to get customers to visit your stand at an art fair or come into your gallery.

Gallery founder Didier Claes between a mask of the Pende from the Congo and an untitled painting by Armand Boua.
Gallery founder Didier Claes between a mask of the Pende from the Congo and an untitled painting by Armand Boua.

Do you manage to raise the prices of old African art and attract new customers through the combination with contemporary art?
The time of dusty galleries and antique dealers is definitely over. My customers are people who work hard and earn a lot of money. They don’t want to search, they want to find. In the past, collectors wanted to discover for themselves, scouring warehouses and galleries. Today we have to make a small exquisite selection, present it in a modern way and show people what is beautiful.

You have also decided to sell contemporary African artworks. Have your interests shifted?
First of all, I entered this field because I am a contemporary art lover. But I don’t want to replace other established dealers.

Is it easier to find high-quality works in contemporary African art?
Yes, but it is not as easy as you might think. Dealers of antiques think that contemporary art is easy to trade. In fact, it’s not that easy. It is difficult to find good artists who can still develop in quality and price.

Why do Africans prefer to buy contemporary rather than old African art?
You need to have an eye for it. But there are almost no galleries in Africa, no exhibitions. There are not many museums for traditional African art like they are here. Collectors also buy a bit of the dealer’s sympathy and personality. We dealers create the collectors, but as long as there are no big African dealers, no collectors can emerge there. I try to attract African collectors, but it is very complicated. It takes time and trust. And there is also a spiritual problem: many African natives still believe that objects have an inherent spirit. That is why they find it difficult to collect them.

Several Kota reliquary figures presented on a piano cover during a special exhibition organized by Didier Claes at the Van Buuren Museum in Brussels.
Several Kota reliquary figures presented on a piano cover during a special exhibition organized by Didier Claes at the Van Buuren Museum in Brussels.

One of your best-known clients from Africa was Sindika Dokolo. He and his wife, the ex-president’s daughter Isabel dos Santos, were involved in a corruption scandal. In retrospect, do you regret the business relationship?
Sindika Dokolo, who like me is of Congolese origin, was someone who loved art, contemporary art, African art and who made a lot of difference. But in the business world it is always difficult to look behind people’s wallets. All the signals were green. Sotheby’s, Christie’s – everyone was selling to him and buying from him. He exhibited his works everywhere. He was an honorary citizen of the city of Porto. But if they embezzled money, they have to answer to the justice system of their country. I can’t stand people who pursue policies that plunder their country and the people.

The problem with counterfeits in old African art

Are clients increasingly concerned about fake art? Is that a big problem with tribal art?
Whenever art and money come together, there are problems with forgeries. As far as African art is concerned, many people are a bit naïve. They think they can go to Africa and bring back authentic art from there. And then they come home and find it’s fake.

Art dealer Didier Claes with a Senufo sculpture at his Brafa stand.
Art dealer Didier Claes with a Senufo sculpture at his Brafa stand.

The expertise is lacking?
I’ve been doing appraisals for auction houses for 20 years. Every time I’ve seen fake objects, they came from people who bought them by themselves in Africa, on the street or in markets. Seriously, if I want to buy a painting or a piece of furniture, I’ll buy it in a reputable gallery. I’m not going to buy a contemporary art painting at a flee market.

In the galleries you will also find fake objects from time to time.
There are obviously less reputable galleries. If you buy from a gallery, be sure to ask for a certificate of authenticity, a certificate of age signed by the gallery and ask for an invoice. That way, if there is a problem, you can take legal action against the gallery.

Have you ever bought a counterfeit item?
I admit that it was very rare, because in the beginning I couldn’t afford to make a mistake. If you can’t afford to make a mistake, you don’t make a mistake. If it does happen, it hurts. The problem of collectors, however, is not so much that they could buy a fake, but that they might pay too much.

How the price of an African work of art is measured

Is the price determined more by aesthetics or origin?
In 1910, there were two books on African art. Today we have thousands and thousands. There is an iconography that allows us to say: „There are 10 known of this type of work. This is the most beautiful, the least beautiful or the most important or the oldest. It has been mentioned, published and proven many times.“ We also have references through public sales. There are references to this and that object at this and that price. Some works of art are sold at auctions at too high prices, and we don’t know why. For me, with masterpieces, the true price is always the one that someone is willing to pay.

Many sales take place via auction houses. Is that increasingly threatening your business?
No, I think we as dealers have our own strengths. We dealers have a connection to the collectors and know where the masterpieces are. But I defend the public sale, unlike many of my colleagues. We need it because it is an important indicator of the mood in the art market.

There are not many people with African roots like you in the gallery scene.
That’s true, it’s quite rare.

Do you still face prejudice? Do you feel like an outsider?
I used to have to fight a lot of resentment. But today it’s different because I’m well-known in the business. My background is also my strength. I am someone who prefers to be envied than to be jealous.

Guests of Didier Claes gallery at the opening of the Brafa art fair 2020.
Guests of Didier Claes gallery at the opening of the Brafa art fair 2020.

Do you have more enemies or friends?
That’s a good question. In any case, I only have friends, but maybe for others, I am their enemy.

There are also confrontations in the gallery scene in Brussels, as one hears. Do some people envy your position at Brafa or your high prices?
Many blame others. But I am not responsible for the failures of others. I work much harder than the others. But you are absolutely right. It is a money business and there is envy.

The future of the Bruneaf art fair

You became president of Bruneaf, a tribal art fair, ten years ago. However, it is steadily losing exhibitors and visitors.
Brussels is a bit difficult today. I have to admit that it is not easy to continue this art fair and to continue to exist alongside strong cities like Paris. Many are disappointed, but we continue to exist. When some friends who are members of the Brueaf want to exhibit at the Brafa art fair but they are not good dealers, I refuse. And if people ask me who don’t like me but are good dealers, I let them in and only judge the objects, not the people. I never judge people. I judge their work, their objects and the way they work.

Do you want to become president of Brafa?
That’s funny, I’ve already been asked that question. I was thinking more about it this morning. I don’t think so because I guess I’m needed elsewhere. But Brafa has gone from 45,000 to 80,000 visitors in ten years. We have done a really good job. It is important that Africa is represented at the big fairs.

Didier Claes in front of his current gallery in the Ixelles area of Brussels.
Didier Claes in front of his current gallery in the Ixelles area of Brussels.

You like to present yourself in elegant suits or flashy clothes, you are always seen in the Brussels pubs with lots of pretty people. You like to go out and party.
That’s right. I like people and I like to be surrounded by them. I am someone who loves all the beautiful things in life. I love all forms of art. Maybe that’s my African side, but I like it.

Social media like Instagram are certainly important for gallery owners like you today?
It’s an incredible communication tool. But I still want people to keep going to the galleries. We will also go back to the basics. And what are the basics? That’s human contact. It can’t get more important than that. That’s for sure. I never trust just photos, but it can help me build a community.

In general, do you think that the old African market is not in decline?
No, I don’t think so. But we really have to be careful. It’s a tense time right now after the restitution debates. Some customers want to buy, but are hesitant because African art has a difficult image right now. Yet it is something beautiful and we should be careful not to stain it. It must not become something that is politically incorrect.

Thank you for the interview.

Journalist Claudia Scholz meeting gallery owner Didier Claes at the Brafa art fair 2020.
Journalist Claudia Scholz meeting gallery owner Didier Claes for this interview at the Brafa art fair 2020.

Who is Didier Claes?

Didier Claes was born in Congo as the son of a Belgian father and a Congolese mother. At that time his father was a scientific advisor and buyer for the National Museum in the Congolese capital Kinshasa. The young Claes accompanied the senior through the villages to find and buy exquisite pieces for the museum collection. Objects that the museum did not want to acquire, the father arranged for other dealers. At the age of 17, Claes left the Congo. After stints in Paris and New York, he opened his own gallery in Brussels‘ Sablon art dealer district in 2002 at the age of only 25.

As a younger dealer in old art, Didier Claes wants people his age to become collectors of tomorrow. The 43-year-old Belgian is present at the big fairs like Tefaf in Maastricht or in New York. Meanwhile, he is not only vice-president of Brafa, but also president of Bruneaf, the traditional fair for non-European art in Brussels, since 2014. Very self-confidently, he sees it as his merit that Brussels has been able to assert itself alongside Paris St. Germain as the magior marketplace for classical African art over the last ten years.

The original interview was conducted in French. It has been translated and edited for length and clarity.

Standard
Interview, Kunst

Didier Claes: „Die Zeit der verstaubten Galerien ist definitiv vorbei“

Didier Claes ist einer der bedeutendsten Händler für alte afrikanische Kunst und für seine auffälligen Inszenierungen bekannt. Im Interview spricht der Belgier über seine vermögende Kundschaft, gefälschte Werke, Preisentwicklungen und wie wichtig die eigene Außendarstellung ist.

To read the interview in English please click here.

Monsieur Claes, Wann haben Sie beschlossen, Händler zu werden? Schon als Kind?
Kunstgalerist ist in der Regel ein Beruf aus Leidenschaft, den man schon sehr früh für sich entdeckt. Es ist nicht etwas, das einfach passiert. Bei mir hat es einen familiären Hintergrund. Mein Vater arbeitete für das Nationalmuseum im Kongo. Ich bin dort aufgewachsen und begleitete ihn auf der Suche nach Kunstwerken, die er an das Museum verkaufte.

Ist es sehr schwierig, außergewöhnliche Stücke zu finden?
Das Aufspüren von Kunstwerken ist das schwierigste an meinem Beruf, denn Afrika ist seit 40 Jahren leer. Es gibt mit Ausnahmen im Bereich der Archäologie kaum noch Möglichkeiten, Kunstobjekte zu finden, zumindest keine von Qualität. Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, aber es ist so, als ob man ein Bild auf dem Dachboden findet. Die geringe Zahl ist nicht ausreichend, um damit ein Geschäft zu betreiben. Ich kaufe daher viel aus Sammlungen, manchmal auch aus den alten Beständen von Familien, die Objekte im Rahmen ihrer Berufstätigkeit aus Afrika selbst mitgebracht haben.

Wie viel muss man für die schönsten Werke ausgeben?
Es kommt darauf an. Kleine Alltagsgegenstände sind schon für ein paar Tausend Euro zu haben. Spitzenwerke kosten mehrere Millionen Euro.

Didier Claes mit mehreren Kota-Reliquiarfiguren im Museum Van Buuren.
Didier Claes mit mehreren Kota-Reliquiarfiguren im Museum Van Buuren.

Was bevorzugen die Kunden, Skulpturen oder zum Beispiel Masken?
Einige Stücke sind natürlich erfolgreicher als andere. So ist heute beispielsweise alles erfolgreich, das an moderne Kunst wie von Picasso erinnert. Für eine Modigliani-Ausstellung in Lille 2016 habe ich eine Maske ausgeliehen, die Modigliani gehörte. Wenn man weiß, dass all diese Künstler jener Zeit von afrikanischer Kunst inspiriert wurden, dann fügt man als Sammler moderner Kunst natürlich auch ein bisschen Geschichte hinzu, wenn man solche Stücke sammelt.

Die wohlhabende Kundschaft von Didier Claes

Wer sind Ihre Kunden, die bereit sind, hunderttausende Euro für afrikanische Kunst auszugeben?
Die Ästhetik afrikanischer Kunst ist nicht für jeden zugänglich. Sie ist schwierig einzuschätzen, weil die Kunden oft nicht die Referenzen wie in der Malerei haben, wo es all diese Bezüge nach Epochen und Perioden gibt. Die afrikanische Kunst erfordert mehr Wissen. Auf jeden Fall mehr Interesse und mehr Zeit, um Expertise zu entwickeln. Die meisten meiner neuen Kunden haben bereits Erfahrung mit einem anderen Sammelgebiet, z.B. zeitgenössischer Kunst. Zusätzlich finden Sie auch Gefallen an afrikanischer Kunst. Früher gab es Sammler, die ausschließlich afrikanische Kunst sammelten, fast wie Briefmarkensammler. Vollkommen verschwunden sind seit 15 Jahren die deutschen Sammler. Früher waren Bernd Mullack, Schmidt Luprian große Namen, aber jetzt sind viele tot.

Gäste von Didier Claes auf der Kunstmesse Brafa 2020.
Gäste von Didier Claes auf der Kunstmesse Brafa 2020.

Sind Ihre Kunden so jung wie Sie?
Tatsächlich gibt es nun mehr junge Sammler. Man muss aber auch die finanziellen Mittel haben, um eine Sammlung aufzubauen. So kommen einige meiner Kunden zum Beispiel aus der Finanzwelt.

Vor allem Männer sammeln afrikanische Kunst. Warum ist das so?
Das ist richtig. Und es ist eine gute Frage. Ich kann mir auch nicht erklären warum, aber ich finde es schade. Jedoch gibt es immer mehr Paare, bei denen sich sowohl der Mann als auch die Frau dafür interessieren. Wenn es beiden gefällt, ist das für mich als Händler die perfekte Kombination. Denn die Frauen segnen am Ende die Einkäufe des Mannes ab. Es gab Pionierinnen wie Héléna Rubinstein, die in den 30er bis 50er Jahren zu den größten Sammlern afrikanischer Kunst zählten.

Kunstkäufer kommen zunehmend auch aus Katar und den Emiraten. Haben Sie auch vermehrt Kunden aus den arabischen Ländern?
Araber sind im Allgemeinen nicht wirklich Sammler gegenständlicher afrikanischer Kunst, da ihre Religion jegliches Abbild Gottes verbietet. Es ist also schon auf dieser Ebene kompliziert. Ein Gegenbeispiel ist einer der größten Sammler afrikanischer Kunst weltweit, Scheich Saud Al-Thani. Auch Prinz Aga Khan zählt dazu. Diese waren sehr starke Persönlichkeiten mit hoher Sichtbarkeit.

Die Autorin Claudia Scholz führte das Interview mit Didier Claes in Brüssel.

Der Louvre in Abu Dhabi will afrikanischer Kunst sammeln wie der Original-Louvre in Paris. Haben Sie auch an den Scheich verkauft?
Ich persönlich habe nichts verkauft, aber offensichtlich haben sie eine Menge afrikanische Kunst erworben. Ich möchte offen zu Ihnen sein. Ich bin nicht sehr erpicht darauf, an Museen zu verkaufen. Ich ziehe Sammler vor, denn diese sind für mich wie meine Bank, an die ich verkaufe, und von denen ich Stücke auch zurückbekommen kann. Denn ein Objekt, das an ein Museum verkauft wurde, wird dem Markt für immer entzogen.

Die Entwicklung des Kunstmarktes

Die Preise für Meisterwerke der afrikanischen Kunst sind in den letzten zehn Jahren stark gestiegen.
Der gesamte Kunstmarkt hat sich stark entwickelt. Die afrikanische Kunst bekommt nun endlich ihren Platz, den sie verdient.

Aber werden je Preisen wie bei der modernen Kunst erzielt?
Nur für Meisterwerke. Aber wir sind immer noch weit von den Preisen für moderne Kunst entfernt. Um ein Beispiel zu nennen: Ein Picasso oder Gauguin kostet 200 bis 300 Millionen Euro. Für ein absolutes Meisterwerk der afrikanischen Kunst werden 30 Millionen Euro verlangt. Lediglich gute Werke kosten 20 bis 30.000 Euro. Das ist nichts in der zeitgenössischen Kunst, wo selbst junge Künstler unglaubliche Preise erzielen.

Didier Claes' Galerie im Ixelles-Viertel von Brüssel.
Didier Claes‘ Galerie im Ixelles-Viertel von Brüssel.

Vor zwei Jahren haben Sie Ihre Galerie am Sablon verlassen und sind ins Galerienviertel von Ixelles gezogen. Warum?
Ich bin seit 15 Jahren am Sablon, und ich bin jemand, der sich neu erfinden will. Ich denke, dass wir uns in der heutigen Geschäftswelt ständig neu erfinden müssen. Wenn wir stagnieren, dann verpassen wir eine Menge, während sich die Welt mit rasanter Geschwindigkeit weiterdreht. Der Sablon begann mich ein wenig zu langweilen, obwohl er immer noch der Hauptort in Brüssel für afrikanische Kunst ist.

Sind die Galerien am Sablon zu traditionell?
Die Galerien am Sablon sind sehr traditionell, wie eine Art alter Bergmann, Erneuerung fand wenig statt. Und es stimmt, dass ich durch die Annäherung an das Viertel für zeitgenössische Kunst in die Nachbarschaft zu den großen zeitgenössischen Galerien wie Reich, Tavi, Weekend sein möchte. Die Energie dort ist anders, es ist dynamischer und folgt mehr dem Zeitgast.

Moderne und zeitgenössische Kunst als Türöffner

Ihre Galerie liegt direkt neben der von Almine Rech, der Frau eines Enkels von Picasso.
Das war Zufall. Es ist schwer in dem Viertel Räume zu finden. Und gleichzeitig war es kein Zufall. Ich habe es gesehen und es passte perfekt. Sie verbinden in Ihrer Galerie klassische mit zeitgenössischer afrikanischer Kunst. Das tue ich oft. Ich arbeite mit anderen Galerien zusammen, die zeitgenössische Künstler präsentieren. Die Kombination erzeugt Aufmerksamkeit. Und oft sagen die Leute: „Oh, das passt gut zusammen.“ Moderne Kunst kann auch ein Türöffner sein, um Kunden auf den Messestand oder in die Galerie zu bekommen.

Der Galeriegründer Didier Claes zwischen einer Maske der Pende aus dem Kongo und dem unbetitelten Gemälde von Armand Boua.
Der Galeriegründer Didier Claes zwischen einer Maske der Pende aus dem Kongo und dem unbetitelten Gemälde von Armand Boua.

Schaffen Sie durch die Kombination, die Preise von afrikanischer Kunst zu erhöhen und neue Kunden zu gewinnen?
Die Zeit der verstaubten Galerien und Antiquitätenhändler ist definitiv vorbei. Meine Kunden sind Menschen, die hart arbeiten und viel Geld verdienen. Sie wollen nicht suchen, sondern finden. Früher wollten die Sammler selbst entdecken, Lager und Galerien durchforsten. Heute müssen wir eine kleine exquisite Auswahl treffen, sie modern präsentieren und den Menschen zeigen, was schön ist.

Sie haben auch beschlossen, zeitgenössische afrikanische Kunstwerke zu verkaufen. Hat sich Ihr Interesse verschoben?
Zunächst einmal, weil ich ein Liebhaber der zeitgenössischen Kunst bin. Ich möchte aber nicht andere Händler ersetzen.

Ist es einfacher, qualitativ hochwertige Werke zu finden?
Ja, aber es ist nicht so einfach, wie Sie vielleicht denken. Antiquitätenhändler sind der Meinung, dass zeitgenössische Kunst einfach zu handeln ist. Tatsächlich ist es gar nicht so einfach. Es ist schwierig, Künstler zu finden, gute Künstler, die sich entwickeln können.

Warum kaufen Afrikaner lieber zeitgenössische als alte afrikanische Kunst?
Man muss den Zugang haben. Es gibt jedoch fast keine Galerien in Afrika, keine Ausstellungen. Es gibt nicht viele Museen wie hier. Sammler kaufen auch ein Stück weit die Sympathie und die Persönlichkeit des Händlers mit. Wir Händler erschaffen die Sammler, aber solange es keine großen afrikanischen Händler gibt, können dort keine Sammler entstehen. Ich versuche, afrikanische Sammler zu gewinnen, aber es ist sehr kompliziert. Es braucht Zeit und Vertrauen. Und es kommt noch ein spirituelles Problem hinzu: Viele
Afrikaner glauben noch immer, dass den Objekten ein Geist innewohnt. Deshalb fällt es ihnen schwer, sie zu sammeln.

Von seinem Vater hat Didier Claes das Wissen über afrikanische Kunst: Patrick Claes mit einem Hocker der Hemba aus dem Kongo.
Von seinem Vater hat Didier Claes das Wissen über afrikanische Kunst: Patrick Claes mit einem Hocker der Hemba aus dem Kongo.

Zu Ihren bekanntesten Kunden aus Afrika gehörte Sindika Dokolo. Er und seine Frau, die Ex-Präsidenten-Tochter Isabel dos Santos, waren in einen Korruptionsskandal verwickelt. Bereuen Sie im Nachhinein die Geschäftsbeziehung?
Sindika Dokolo, der wie ich kongolesischer Herkunft ist, war jemand, der die Kunst liebte, die zeitgenössische Kunst, die afrikanische Kunst und der viel bewegt hat. Doch in der Geschäftswelt ist es immer schwierig, den Leuten hinter die Brieftasche zu schauen. Alle Signale waren auf grün. Sotheby’s, Christie’s – alle haben an ihn verkauft und von ihm gekauft. Er stellte seine Werke überall aus. Er war Ehrenbürger der Stadt Porto. Wenn sie allerdings Geld veruntreut haben, müssen sie sich vor der Justiz ihres Landes verantworten. Ich kann Menschen nicht ausstehen, die eine Politik betreiben, die ihr Land und die Menschen ausplündert.

Das Problem mit Kunstfälschungen in der afrikanischen Kunst

Machen sich die Kunden zunehmend Sorgen über gefälschte Kunst? Ist das ein großes Problem bei Tribal Art?
Überall, wo Kunst und Geld zusammenkommen, gibt es Probleme mit Fälschungen. Was die afrikanische Kunst betrifft, so sind viele Leute etwas naiv. Sie denken, sie können nach Afrika gehen und von dort Kunst mitbringen. Und dann kommen sie nach Hause und stellen fest, dass es falsch ist.

Es fehlt die Expertise?
Ich mache seit 20 Jahren Beurteilungen für Auktionshäuser. Jedes Mal, wenn ich gefälschte Objekte begutachtet habe, kamen sie von Menschen, die selbst in Afrika gekauft haben, auf der Straße oder Märkten. im Ernst: wenn ich ein Bild oder ein Möbelstück kaufen will, kaufe ich es in einer seriösen Galerie. Ich werde doch kein Gemälde zeitgenössischer Kunst auf einem Markt kaufen.

Didier Claes mit einem hölzernen Antilopentanzaufsatz der Bambara.
Didier Claes mit einem hölzernen Antilopentanzaufsatz der Bambara.

In den Galerien finden Sie ab und zu auch gefälschte Objekte.
Es gibt also offensichtlich weniger seriöse Galerien. Wenn Sie in einer Galerie kaufen, müssen Sie unbedingt um ein Echtheitszertifikat, ein von der Galerie unterzeichnetes Alterszertifikat bitten und um eine Rechnung. So können Sie sich, wenn es ein Problem gibt, gegen die Galerie wenden.

Haben Sie jemals einen gefälschten Artikel gekauft?
Ich gebe zu, dass dies sehr selten vorkam, denn anfangs konnte ich es mir nicht leisten, mich zu irren. Wenn Sie sich keinen Fehler leisten können, machen Sie keinen Fehler. Wenn es doch einmal passiert, tut es weh. Das Problem ist aber weniger, dass Sammler eine Fälschung erwerben, sondern dass sie zu viel bezahlen.

Wonach sich der Preis eines afrikanischen Kunstwerkes bemisst

Bestimmt sich der Preis für afrikanische Kunst mehr über die Ästhetik oder Herkunft?
Im Jahr 1910 gab es zwei Bücher über afrikanische Kunst. Heute haben wir Tausende und Abertausende. Es gibt eine Ikonographie, die uns erlaubt zu sagen: „Von diesem Werktypus sind 10 bekannt. Dies ist die schönste, die am wenigsten schöne oder die wichtigste oder die älteste. Es wurde bereits mehrfach erwähnt, veröffentlicht und nachgewiesen.“ Wir haben auch Referenzen im Bereich der öffentlichen Verkäufe. Es gibt Hinweise auf dieses und jenes Objekt zu diesem und jenem Preis. Manche Kunstwerke werden zu teuer auf Auktionen verkauft, und wir wissen nicht, warum. Für mich gilt bei Meisterwerken immer, dass der wahre Preis derjenige ist, den jemand bereit ist zu zahlen.

Nagelfetisch aus dem Kongo: Auf der Brafa 2020 wurde das Kultobjekt vom Ende des 19. Jahrhunderts von Didier Claes für 110 000 Euro angeboten.

Nagelfetisch aus dem Kongo: Auf der Brafa 2020 wurde das Kultobjekt vom Ende des 19. Jahrhunderts von Didier Claes für 110 000 Euro angeboten. Foto: Galerie Didier Claes

Viele Verkäufe finden über Auktionshäuser statt. Bedroht das zunehmend Ihr Geschäft?
Nein, ich glaube, wir haben unsere Stärken. Wir Händler haben einen Draht zu den Sammlern, und wissen, wo sich etwas befindet. Ich verteidige den öffentlichen Verkauf, anders als viele meiner Kollegen. Wir brauchen ihn, weil er das Barometer der Kunst ist.

In der Galerieszene gibt es nicht viele Menschen mit afrikanischen Wurzeln wie Sie.
Das ist wahr, es ist ziemlich selten.

Sehen Sie sich immer noch mit Vorbehalten konfrontiert? Fühlen Sie sich als Exot?
Früher hatte ich mit vielen Ressentiments zu kämpfen. Aber heute ist es anders, weil ich in der Branche bekannt bin. Meine Herkunft ist auch meine Stärke. Ich bin jemand, der es vorzieht, beneidet zu werden, als neidisch zu sein.

Haben Sie mehr Feinde oder Freunde?
Das ist eine gute Frage. Auf jeden Fall habe ich nur Freunde, aber vielleicht bin ich für andere deren Feind.

Gäste auf einer Vernissage von Didier Claes in Brüssel.
Gäste auf einer Vernissage von Didier Claes. Foto: Galerie Didier Claes

In der Galeristenszene in Brüssel gibt es auch Konfrontationen, wie man hört. Neiden Ihnen manche den Posten bei der Brafa oder Ihre hohen Preise?
Viele schieben die Schuld auf andere. Aber ich bin nicht für die Niederlagen von anderen verantwortlich. Ich arbeite viel mehr als die anderen. Aber Sie haben völlig Recht. Es ist ein Geldgeschäft und da gibt es Neid.

Die Zukunft der Brüsseler Kunstmesse Bruneaf

Sie wurden vor zehn Jahren Präsident der Bruneaf, einer Messe für Tribal Art. Diese verliert jedoch stetig an Ausstellern und Besuchern.
Brüssel ist heute ein bisschen schwierig. Ich muss zugeben, dass es nicht leicht ist, diese Veranstaltung fortzusetzen und neben starken Städten wie Paris weiter bestehen zu können. Viele sind enttäuscht, aber wir existieren weiter. Wenn manche Freunde, die Mitglied der Brueaf sind und auf der Kunstmesse Brafa ausstellen wollen, aber keine guten Händler sind, dann lehne ich ab. Und wenn mich Leute fragen, die mich nicht mögen, aber gute Händler sind, lasse ich sie herein und beurteile nur die Objekte, nicht die Menschen. Ich verurteile niemals Menschen. Ich beurteile ihre Arbeit, ihre Objekte und die Art und Weise, wie sie arbeiten.

Wollen Sie Präsident der Brafa werden?
Das ist lustig, diese Frage wurde mir bereits gestellt. Ich habe heute Morgen mehr darüber nachgedacht. Ich denke nicht, weil ich glaube, dass ich anderswo gebraucht werde. Aber wir sind in zehn Jahren von 45.000 auf 80.000 Besucher gestiegen. Wir haben wirklich gute Arbeit geleistet. Es ist wichtig, dass Afrika auf den großen Messen vertreten ist.

Sie präsentieren sich gern in eleganten Anzügen oder auffälliger Kleidung, in den Brüsseler Kneipen werden sie immer mit vielen hübschen Leuten gesehen. Sie gehen gerne aus und feiern.
Das ist richtig. Ich mag Menschen und bin gern umgeben von ihnen. Ich bin jemand, der all die schönen Dinge des Lebens liebt. Ich liebe alle Formen der Kunst. Vielleicht ist das meine afrikanische Seite, aber ich mag sie.

DC-1: Der Wagen von Didier Claes mit auffälligem Kennzeichen.
DC-1: Der Wagen von Didier Claes mit auffälligem Kennzeichen

Soziale Medien wie Instagram sind bestimmt auch für Galeristen wie Sie heute wichtig?
Das ist ein unglaubliches Kommunikationsmittel. Aber ich möchte trotzdem, dass die Menschen noch weiterhin in die Galerien gehen. Wir werden auch wieder zu den Grundlagen zurückkehren. Und was sind die Grundlagen? Das ist der menschliche Kontakt. Wichtiger kann es nicht werden. Das ist sicher. Ich vertraue nie nur Fotos, aber es kann mir helfen, eine Community aufzubauen.

Im Allgemeinen denken Sie, dass der alte afrikanische Markt nicht im Niedergang begriffen ist?
Nein, das glaube ich nicht. Aber wir müssen wirklich vorsichtig sein. Es ist gerade eine angespannte Zeit nach den Restitutionsdebatten. Einige Kunden wollen kaufen, zögern aber, weil die afrikanische Kunst gerade ein schwieriges Image hat. Dabei ist es etwas Schönes und wir sollten aufpassen, dass es keine Flecken bekommt. Es darf nicht zu etwas werden, das politisch unkorrekt ist.

Monsieur Claes, vielen Dank für das Interview.

Didier Claes beim Galerienrundgang auf der Bruneaf 2020.

Didier Claes beim Galerienrundgang auf der Bruneaf 2020

Vita Didier Claes:

Als Sohn eines belgischen Vaters und einer kongolesischen Mutter wurde Didier Claes im Kongo geboren. Sein Vater war Wissenschaftler und Einkäufer für das Nationalmuseum in der Hauptstadt Kinshasa. So begleitete der junge Claes den Senior durch die Dörfer, um exquisite Stücke für die Museumssammlung zu finden und zu kaufen. Objekte, die das Museum nicht erwerben wollte, hat der Vater anderen Händlern vermittelt. Mit 17 Jahren verließ Claes den Kongo. Nach Stationen in Paris und New York eröffnete er 2002 im Alter von nur 25 Jahren eine eigene Galerie im Brüsseler Kunsthändlerviertel Sablon.

Als jüngerer Händler für alte Kunst möchte Didier Claes Menschen in seinem Alter zu Sammlern von morgen heranziehen. Der 43-jährige Belgier ist auf den großen Messen präsent wie der Tefaf in Maastricht oder in New York. Mittlerweile ist er nicht nur Vizepräsident der Brafa, sondern auch seit 2014 Präsident der Bruneaf, der traditionsreichen Messe für außereuropäische Kunst in Brüssel. Sehr selbstbewusst sieht er es als sein Verdienst an, dass sich Brüssel neben Paris St. Germain als Marktplatz für die klassische afrikanische Kunst in den letzten zehn Jahren behaupten konnte.

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Reise, Städtetipps

Langsames Fastfood: Schlange stehen für eine Suppe

Ramen-Fans in Europa müssen für ihr Mittagsmahl viel Zeit mitbringen. Egal ob in Paris oder Düsseldorf: Gourmets warten nirgendwo länger als vor japanischen Imbissstuben.

In Paris befindet sich nach London die größte japanische Gemeinschaft Europas. Wenig überraschend also, dass es in der französischen Metropole eine der reichsten Auswahlen an authentischen Ramen-und Udon-Lokalen gibt. Ramen ist eine japanische Nudelsuppe, benannt nach den gleichnamigen länglichen Nudeln aus Weizenmehl, die in der würzigen Brühe schwimmen. Diese gibt es in mehreren Varianten. Zu den Klassikern zählen die bräunlich-klare Shoyu-Ramen auf Basis von Sojasauce und die weißlich-trübe Tonkotsu-Ramen, die durch langes Auskochen von Schweineknochen hergestellt wird. Darauf werden Eierhälften, Frühlingszwiebeln, Algen und Fleisch- oder Fischstücke kunstvoll drapiert. Udon sind ebenfalls Weizennudeln, aber deutlich dicker und glitschiger.

Tempura Udon im Kunitoraya in Paris
Tempura Udon im Kunitoraya

Rund um die Rue Sainte Anne im 1. Pariser Arrondissement haben sich viele Ramen-Bars angesiedelt. Bar trifft es eher als Restaurant, denn nicht selten wird der Gast an schmale Holztresen gesetzt. Von denen blickt er hinaus durch die Fensterscheiben auf den Bürgersteig, wo die Schlange der Wartenden immer länger wird und von den Kellnern in verkehrs- und fußgängergerechte Bahnen gelenkt werden muss. Da man nicht reservieren kann, hat zwar jeder die gleichen Chancen auf einen der begehrten Plätze vor allem zur Mittagszeit, doch nur wer genügend Ausdauer mitbringt, kommt in den Genuss der dampfenden Suppen. Wartezeiten von einer Stunde und mehr sind bei den neusten und am besten bewerteten Lokalen Normalität. Währenddessen kann man den Streetstyle der hippen Einheimischen und trendbewussten Touristen bestaunen, die für kurze Zeit zu einer kleinen Gemeinschaft werden – alle geeint in dem Ziel, es hinein zu schaffen.

Essen an schlichten Holztischen: das Kunitoraya Udon Bistro in Paris
Essen an schlichten Holztischen: das Kunitoraya Udon Bistro

Die Bereitschaft zum Ausharren ist beim Kunitoraya besonders groß, das japanische Bistro hat es in alle erdenkbaren Empfehlungs-Listen und auch in den klassischen Restaurantführer Guide Michelin geschafft. Beim Warten vor dem Udon-Lokal sieht man schon von draußen die Köchinnen, die Garnelen putzen oder Nudeln kochen. Im Inneren herrscht geschäftstüchtige Emsigkeit, die im Kontrast zur meditativen Ruhe der wartenden Gäste auf dem Gehweg steht. Dampfende Schüsseln werden rasch zu den Hungrigen getragen. Hingucker ist die Tempura Udon mit hell frittierten Garnelen.

Im Kodawari Tsukij zwischen Kisten voller Meeresgetier.
Zwischen Kisten voller Meeresgetier: im Kodawari Tsukij

Ein paar Straßen weiter wurde das Ramen-Bistro Kodawari Tsukiji 2019 geöffnet. Im Inneren sitzen die Gäste zwischen eisgefüllten Kisten voller Krabben, Makrelen, Kugelfischen, Aalen und anderem Meeresgetier. Von der Decke hängen Tüten mit japanischen Aufschriften und die Kellner tragen weiße Gummistiefel. Aus Lautsprechern ertönt das Geschrei von Möwen und Marktschreiern. Die Einrichtung lässt die Atmosphäre eines japanischen Fischmarktes entstehen. Und nicht nur irgendeines: das Kodawari Tsukiji ist eine Hommage an den gleichnamigen Tokioter Markt. Aber der Fischgeruch fehlt – denn die Auslagen sind alle nur Attrappen, aber täuschend echt gestaltet.

Auslagen wie auf einem Tokioter Fischmarkt im Kodawari Tsukiji in Paris
Auslagen wie auf einem Tokioter Fischmarkt im Kodawari Tsukiji in Paris

Aus Wachs oder Plastik nachgebildete Gerichte und Lebensmittel gehören zur japanischen Kultur, in vielen Restaurants in Japan liegen unechte Speisen in den Vitrinen aus. Ein kleines folkloristisches Stück Japan mitten im gediegenen Paris. Eine Spezialität des Lokals ist die Fischbrühe, die Fische dafür kommen aus der Bretagne. Die Ramen aus gegrillter Dorade wird mit würzigem Ei, Chashu (geschmortem Schweinebauch) und Zwiebeln belegt.

Ramen aus ausgekochten Doraden von der bretonischen Küste im Kodawari Tsukiji.
Ramen aus ausgekochten Doraden von der bretonischen Küste im Kodawari Tsukiji.

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Kunst

Auf Stöckelschuhen durch Islamabad

Nigar Nazar ist die erste Comiczeichnerin Pakistans. Mit „Gogi“ hat sie eine Comic-Heldin geschaffen, die sich für die Bildung von Frauen einsetzt. Heute Abend werden in Potsdam ihre Zeichnungen gezeigt.

Gogi ist jung, hübsch, hat lange Wimpern, trägt einen modischen Kurzhaarschnitt und mit Vorliebe auffallend bunte, gepunktete Kleider. Mit Kopftuch ist sie nie zu sehen, dafür aber mit Ohrringen und Stöckel-Schuhen. Seit sie 1971 das erste Mal auf Papier auftauchte, ist Gogi die Comic-Heldin der Zeichnerin Nigar Nazar. Mit Witz und Charme kämpft sich Gogi durch den pakistanischen Alltag, der es bildungshungrigen Frauen keinesfalls leicht macht.

Gogis Urheberin Nigar Nazar hatte selbst als eine der wenigen pakistanischen Frauen in den 70er Jahren erst Medizin studiert, war dann aber zur Bildenden Kunst gewechselt und hatte ihren Abschluss an der University of Punjabin in Lahore gemacht, der zweitgrößten Stadt Pakistans. Schon während ihres Medizin-Studiums hatte die junge Nazar ständig gezeichnet. Über die Jahre erschienen ihre Comics nicht nur in Pakistanischen Zeitungen und Zeitschriften, sondern auch in der Türkei und Libyen und wurden ins Englische übersetzt.

nizar nagar facebook

Am Anfang sollten meine Comics einfach nur unterhalten, später widmeten sie sich sozialen Problemen“, sagt Nazar, die heute in Islamabad wohnt und sich für UNICEF engagierte. Die Heldin Gogi sei vor allem für Kinder und junge Frauen eine gute Vermittlerin abstrakter Konzepte wie Demokratie, Toleranz, Frauenrechten, aber auch Alltagsdingen wie Hygiene und Umgangsformen. Vor allem aber setzt sich Gogi für das Recht muslimischer Frauen auf Bildung ein. Bildung ist in einigen Regionen meist nur für Jungen verfügbar – noch heute können nur rund 58 Prozent der Menschen in Pakistan lesen und schreiben.

Eine Ausstellung zeigt nun in Potsdam Nazars Arbeiten. Zur heutigen Eröffnung wird sie vor Ort Comics zeichnen und einen Einblick in die Comic-Welt Pakistans geben.

Vernissage 13. Januar 2016 ab 19 Uhr mit Nigar Nazar: Atrium der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Karl-Marx-Straße 2, 14482 Potsdam

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Kolumne

Materialschlacht

Feine Papierarbeiten und Zeichnungen hatten es schwer, sich zur diesjährigen Kunstmesse abc in der Station Berlin durchzusetzen – bei all dem harten Stein, den monströsen Skulpturen und dem plastischen Gewächs, das die Hallen schon allein räumlich für sich einnahm.

Die art berlin contemporary ist bekannt dafür, mehr ein Jahrmarkt als eine snobistisch White-Wall-Kunstausstellung zu sein. Die Grenzen zu bunter, lichterfroher Kirmes und Kuriositätenkabinett sind fließend. Dieses Jahr sorgten bizarre organische Gebilde für jede Menge Ah-und Oh-Momente. So manche amorphe Materialtollerei spielte dem Auge einen Streich.

Peter Buggenhouts mit Sand überzogene Müllhaufen muteten wie untergegangene Schiffswracks oder postatomare Landschaft an. So manchem Besucher kam auch die makabere Wolfsschanze in den Sinn.

sand skulptur peter buggenhout

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Fashion

Designer for Tomorrow 2015

Zur diesjährigen Berliner Fashion Week im Juli hatte der smarte amerikanische Designer Zac Posen die Aufgabe, unter 5 begabten Fashion-Newcomern einen auszuwählen, dessen Talent in Zukunft gefördert werden soll. Die Berlinerin Mareike Massing konnte sich am Ende über den Designer-for-Tomorrow-Award freuen, der von einem großen Modelabel und einem Online-Shop vergeben wird. Die 1984 geborene Jungdesignerin überzeugte Zac Posen und die Jury mit ihren Entwürfen am meisten: klare Linien, Schwarz-Weiß-Kontraste, verstärkte Westen mit sanften Fransen. Mareike Massing studierte Modedesign an der Berliner Universität für Wirtschaft und Technology. Die Schule ist bekannt für die sehr tragbaren und perfekt verarbeiteten Kollektionen ihrer Absolventen. Esther Perbant, längst etablierte Designerin bei der Berliner Fashion Week, verfolgte die Vergabe des Awards und meinte nach der Show: „Ich kann die Wahl der Jury nachvollziehen. Mareike Massings Entwürfe waren den der anderen in der Auswahl der Materialien und deren Verarbeitung, in der Detailverliebtheit und klaren Schnitte weit voraus. Ihre Designs könnten vom Laufsteg direkt so in die Produktion.“

Weniger ausgefeilt, wenn gleich kreativ waren die Entwürfe der anderen Nominierten für den Designer-for-Tomorrow-Award 2015. Ein bisschen seltsam und alles andere als straßentauglich war die Kollektion des Londoner Designers Syed Shahid Nisar, der lebendige, fischkrätengemusterte Knäuel über den Laufsteg schickte.

Hahnentritt-Schwulst von Nisar, Absolvent des Londoner Kingston College

 

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Kunst

Es fing mit Neon-Orange an

Daniel Chluba ist Künstler aus Berlin. Er studierte bis 2012 an der Berliner Universität der Künste. Neben Videoinstallationen hat er eine Reihe von Objekten erdacht, die zuerst Skulptur waren und dann zu Performance-Objekten und später zu Abfall wurden. Wie sein Weinbrunnen von 2010: ein Turm aus Rotweintetrapacks, der von Besuchern der UDK schrittweise leergetrunken wurde und dann als Verpackungsmüllberg endete.  Humor und Performance sind in seinem Werk eng miteinander verknüpft. Warum Daniel Chluba immer Rot trägt und was seine Eltern eigentlich dazu sagen, verrät er hier.

Daniel, Du fällst vielen Leute in Berlin auf der Straße durch Deinen roten Komplett-Look auf. Magst Du die Farbe einfach nur oder ist das Teil Deiner Künstler-Performance?

Es fing in der Schulzeit an. Ich war 14 Jahre alt. Immer Rot zu tragen war damals eine gute Möglichkeit, Mädchen kennenzulernen. Heute ist es das auch noch. Zugleich war es eine Art passiv-aggressives Verhalten. Ziemlich viele Leute, die ich nicht leiden konnte, fanden das richtig scheiße. Erst experimentierte ich mit Neon-Orange. Das fanden schon manche ziemlich spooky. Dann habe ich Weiß probiert. Nur einen Tag, aber das ging gar nicht. Man sieht alles, wo Du lang gelaufen bist, wo Du angestoßen bist. Weiß ist eine Farbe für Leute, die nichts machen.

Selbst Deine Unterhosen sind immer rot?

Ja.

Damals war Rot also eine Strategie für Dich und was ist es heute, ein Statement?

Für mich ist es ein alter Hut, eine Tradition. Es ist zur Gewohnheit geworden. Ich werde das auch nicht ändern, außer es findet sich eine gute Alternative. Ich sammele alle meine abgetragenen Klamotten, sie sind alle archiviert. Wenn sich ein Käufer dafür finden würde, würde ich alles verkaufen und zu einer neuen Farbe übergehen.

Wie finden Deine Eltern Deine Kleiderwahl?

Meine Eltern finden es immer noch furchtbar und versuchen mir immer noch ein blaues T-Shirt anzudrehen.

Gab es mal einen Moment, in dem Du nicht Rot getragen hast?

Es gibt zwei Ausnahmen, bei denen ich kein Rot trug: Als meine Oma gestorben war, wurde ich von der gesamten Familie gezwungen für die Beerdigung Schwarz zu tragen. Und bei der Geburt meines Sohnes musste ich komplett Grün tragen, sonst hätte ich nicht in den OP gedurft.

Woran arbeitest Du zurzeit?

Ich mache gerade eine Sahnehutporträtserie. Ich hatte einmal überlegt, wie man einen perfekten Sahnehut hinbekommt und dann hatte ich sehr lange gegrübelt. Ich wollte dafür schon eine komplizierte Maschine bauen, aber dazu kam es nie. Für einen Hut benutze ich einen Liter frische Sahne. Innerhalb einer halben Minute muss man den Hut bauen und dann hast Du 5 Sekunden Zeit, das Foto zu machen. Das schöne daran ist der Live-Moment. Danach fängt die Sahne an zu laufen. Es ist eine furchtbare Sauerei. Aber es macht sehr viel Spaß.

Ein besonders gelungenes Exemplar eines von Daniel Chlubas Sahnehüten

Ein besonders gelungenes Exemplar eines von Daniel Chlubas Sahnehüten

Sahnehutporträts und andere Werke von Daniel Chluba kann man derzeit in der Galerie Rockelmann & anschauen.

Ausstellung „POTENTIAL IN THE ORDINARY“ 22.1. – 19.2.2015

http://www.rockelmann-and.com

http://www.daniel-chluba.de

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