Kolumne

Wer sind die neuen Berliner Dandys?

Die Anti-Dandys sind die neuen Dandys. Sie sind ungezogen, selbstironisch, lieben Sex und Drogen und haben Spaß an Mode.

Die Berliner Dandys haben so gar nichts zu tun mit den Typen, die man im kürzlich erschienenen Buch I am Dandy. The Return of the Elegant Gentleman begutachten kann. Dort wimmelt es so von herausgeputzten jungen Männern, die peinlich auf jedes Detail achten, in ihrer Umgebung und an sich selbst. Einstecktuch, Weste, Manschettenknöpfe sind für sie die Garanten von Eleganz und Extravaganz. Sie sehen aus, als könnten sie jederzeit eine alte Dame zur Oper begleiten. Von Jugendwahn und Provokation keine Spur. Während der britische Dandy schon immer auch ein bisschen Snob war, war der Berliner Dandy immer auch Geck. Die Berliner Dandys sind cool und wirken nicht so, als hätten sie die Kleiderkiste ihres verstorbenen adligen Großvaters geplündert. Sie würden sich wahrscheinlich noch nicht mal als Dandys bezeichnen. Sie fallen lieber auf.

Die Berliner Dandys, die gerade alle Bars, Frontrows und Partys von Wichtigkeit aufwirbeln, tragen schon mal Nagellack, oder Pelzstola, oder Paillettenblazer. Aber sie zelebrieren auch das Abgefuckte und Raue, und das nicht zu selten. Bestes Beispiel der modernen Großstadt-Dandys sind die Bad Boys der Berliner Bloggerszene: Die Blogger David Kurt Karl Roth und Carl Jakob Haupt wechseln so oft Haarfarbe und -frisur wie ihre Accessoires und dokumentieren alles auf dandydiary.de. Ihr Look: ein Mix aus reichem Rüpelsohn, Hip-Hop-Duo LMFAO, Ghettogoth und Fetisch. Gentlemanhafter treten dagegen der Flaneur Friedrich Liechtenstein und der Sprach-Provokateur Benjamin von Stuckrad-Barre auf. Sie tragen, womit sich viele Männer nicht vor die Tür trauen würden: Edel-Hausmantel (Liechtenstein) und weißer, enger Anzug (Stuckrad-Barre). Und bleiben doch unnahbar. Ihr Motto: hipper Eskapismus! Dass man Dandy sein kann und sich dabei nicht zu ernst nehmen muss, beweisen auch Stylist und Kolumnist Jan Luckenbill und Berlin-Mitte-DJ Conny Opper. Luckenbill, obwohl noch jung, inszeniert sich auf Fotos schon als autoritärer Mode-Papst mit Haartolle und Schal. Conny Opper dagegen ist der mit dem Glitzer-Lidschatten und dem Pailletten besetzten Blazer, aus dem eine Lichterkette heraushängt. Den Tunten-Disco-Kitsch beherrscht er wie kein zweiter heterosexueller Mann in Berlins Partyszene.

 

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Stil

„Mein Vater trägt jetzt auch meine Einstecktücher.“

Dennis Steinborn suchte Einstecktücher, die zu seinen bunten Socken passen sollten und fand keine. Also entwarf er selbst welche.

Modeaffe: Herr Steinborn, Ihre Einstecktücher sind immer zweifarbig, immer rund und nie aus Seide. Warum?

Dennis Steinborn: Das Problem, das bestimmt neun von zehn Männern haben, ist, dass ihr Einstecktuch verrutscht. Oder man hat zuviel Stoff. Meine Tücher kann man vielfältig falten, die Form bleibt und die Farben kann man variieren. Ich habe kein einziges Seidentuch. Wenn man nicht gerade Smoking trägt, passt Seide nicht oft.

Modeaffe: Was empfehlen Sie Männern, die sich eigentlich nicht so viel trauen, aber nicht als modische Langweiler dastehen wollen?

Dennis Steinborn: Männer, die nicht so mutig sind, können schlichtere Farben wählen. Oder sie tragen erst mal eines von beidem, Einstecktuch oder Miniatur-Schleife. Das Tolle an meinen kleinen Bow-Ties ist ja, dass man sie jederzeit wieder abpinnen kann. Aber die Männer trauen sich generell mehr. Mein Vater trägt jetzt auch meine Einstecktücher, obwohl er gar nicht so modisch ist, und er bekommt viele Komplimente.

Modeaffe: Was ist too much? Machen bunte Schleifen, Socken und Einstecktuch nicht aus jedem Mann gleich einen schwulen Dandy?

Dennis Steinborn: Die Männermode hat viel mehr Liebe zum Detail gefunden. Schrille Knöpfe, andere Schnitte, bunte Socken. Jeder, der sich’s zutraut, soll es auch tragen. Gerade jüngere Männer können es schon extravaganter tragen und nicht so bieder.

Wo man Dennis Steinborns Accessoires bekommt:

www.14-03.de

14 oz. Store im Haus Cumberland, Kurfürstendamm 194, Berlin-Charlottenburg

Departmentstore Quartier 206, Friedrichstraße 71, Berlin-Mitte

The Store im Bikini-Haus, 1.Etage, Budapester Straße 50, Berlin

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