Kolumne

Die Entdeckung des Monats

schule der trunkenheit

Mehr als zehn Jahre Erfahrung und jede Menge Geschichten

Die Schule der Trunkenheit: Das etwas andere Barbuch der Victoria Bar

Der Mensch denkt gerne nach, aber noch viel lieber berauscht er sich. Selbst Mönche sind da keine Ausnahme. Gott schuf den Menschen zu seinem Vergnügen und der schuf den Alkohol. Der brachte ihm Vergnügen und, wie bei allen Sachen im Leben, auch Leid. Der Grad zwischen Betrunkenheit und Hochstimmung ist bekanntlich oft sehr schmal. Trunkenheit will gelernt sein. Das ist die Botschaft der Victoria Bar. Wer gerne gute Cocktails trinkt, wird die Bar in der Potsdamer Straße kennen. Nicht wenige sind an ihrem Tresen schon versackt, weil es so gemütlich war. Seit die Victoria Bar 2001 in einer der damals abgefucktesten Berliner Ecken aufmachte, zählt sie zu den besten Bars Berlins. Mit Spirituosen kennen sich die Barkeeper aus. Aber alle Geheimnisse wollten sie nicht für sich behalten. Das Victoria-Bar-Team um Kerstin Ehmer, Stefan Weber, Beate Hindermann und Gonçalo de Sousa Monteiro erdachte deshalb 2003 die „Schule der Trunkenheit“. Zum Star-Barkeeper wird man durch die Veranstaltungsreihe nicht gleich, aber über Gin, Wodka, Whiskey und Co. wird man danach einiges zu erzählen haben. So vielfältig wie die Spirituosen und Drinks sind nämlich auch die Geschichten ihrer Entstehung. Zu Hause kann man alles im gleichnamigen Buch nachlesen. Wie komplex die Geschichte des Alkohols wirklich ist, hat Kerstin Ehmer, eine der Autoren, bei der Recherche schnell gemerkt: „Alkohol wird in der offiziellen Geschichtsschreibung oft ausgespart, das macht die Recherche mühsam. Alkohol und Kultur und Entwicklung sind tatsächlich sehr stark miteinander verzahnt.“ Die meisten Bar-Bücher sind Rezeptbücher. Dass es weder reines Handbuch noch Fachbuch ist, das macht diese „Kurze Geschichte des gepflegten Genießens“ so besonders.

Gepflegt ging es in der Geschichte des Alkoholkonsums jedoch nicht immer zu. Die Erfolgsgeschichte des Alkohols erklärt sich vor allem auch daher, dass „ernsthaftes Trinken“ den wenigsten ein Begriff war. Es ist eine Geschichte von Besäufnissen ganzer Volksschichten, Manipulationen und tragischen Karrieren, die im Rausch untergingen. Auch Piraten und Matrosen sahen im Alkohol wohl weniger ein Genuss- als vielmehr ein Nahrungsmittel. Seriöse Trinker und Bar-Dandys kommen in der Geschichte natürlich auch vor. Ohne die Anekdoten über die skurrilen Allüren und Trinkgewohnheiten der ein oder anderen Berühmtheit wäre das alles auch nur halb so lustig. Luis Buñuel zum Beispiel, ein klassischer Martini-Trinker, hatte als notorischer Außenseiter seine ganz eigenen Ansprüche an eine gute Trinkatmosphäre. Nicht „Schule der Trunkenheit“ sollte eine Bar sein, sondern eine Schule der Einsamkeit. Sie muss möglichst düster, sehr bequem und vor allem ruhig sein. Jede Musik, auch die Entfernteste, ist verpönt… Höchstens ein Dutzend Tische, möglichst nur Stammgäste, und zwar wenig gesprächige.“ Ob ihm die Victoria Bar gefallen hätte, wissen wir nicht, aber ruhig und einsam geht es da selten zu.

Die Schule der Trunkenheit. Eine kurze Geschichte des gepflegten Genießens, Metrolit Verlag, erschien September 2013. Das Buch ist für 20,- Euro am Tresen der Victoria Bar erhältlich: Potsdamer Straße 102, Berlin. Das neue Spirituosen-Semester beginnt im Oktober: http://www.victoriabar.de

 

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